Sagen und Legenden: Wie die Aukapelle entstand

Im vierten Teil der Reihe “Sagen und Legen” geht es darum wie die Aukapelle entstand. Der Text stammt aus dem Buch “Sagen, Legenden und Geschichten aus der Fränkischen Schweiz”, erschienen im Verlag Palm & Enke, Erlangen von Heinz Büttner.

Zuvor bedanke ich mich ausdrücklich für die freundliche Genehmigung bei Verlag und Autor für die Veröffentlichung.

Viele Sagen wurden erlauscht und nacherzählt, viele andere Legenden zusammengesucht aus der weit verstreuten und kaum verfügbaren Literatur, die teilweise bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Die Aubergfelsen, die das Wiesentufer begleiten, sind die Stützen für das Auberggelände. Auf dieser Höhe breitet sich das Ackerland in der Nankendorfer Flur aus. Gleich am Ende des Aufstiegs steht hier unter uralten und mächtigen Linden die Aukapelle, ein kleines Muttergottesheiligtum, das etwa um 1930 noch ein Schindeltürmchen mit Glöckchen und Vorbau durch Wohltäterhand bekam.

Die Kapelle birgt eine wunderbare Muttergotteskopie von Lukas Cranach. Außerdem schmückten um 1920 noch viele Votivtafeln und Wachsgebilde die Kapelle als sichtbare Zeugen für erlangte Hilfe. Damals verehrte man die Madonna als wundertätig, und viele Bedrängte wallten zu dem kleinen Heiligtum.

Vor vielen Jahrhunderten, als die Nankendorfer Urkirche die einzige Hauptkirche im Umkreis war, wallten alljährlich die Pfarrkinder ihrer Tochterkirchen nach Nankendorf, das waren die Oberaislfelder, Kirchahorner, Volsbacher und die Waischenfelder. Dort war dann großer Feiertag. Man brachte sein Opfer dar und freute sich des Gefühls der Zusammengehörigkeit. Da im Dorf selber nicht so viel Platz zum Ruhen für die vielen Menschen war, lagerte alles auf dem Heimweg oben auf dem Auberg im Schatten der Linden. Die Nankendorfer Stiftung bewirtete ihre Wallfahrer mit Hirsebrei, dem damaligen köstlichen Kirchweihschmaus. Damals buk (backte) man noch keine Küchle oder Kuchen.

Das geschah alles am “Märtelstag”, dem Fest “Dedikantes”, dem Patronatsfest. Daher hatte die Nankendorfer Kirchweih lange den Namen “Hirschbreikerwa” (Hirsebreikirchweih). Diese Tatsachen sind aus den Stiftungsrechnungen ersichtlich.

Bei einer solchen Rastpause soll einmal ein begleitender Pfarrer geäußert haben: “Hier sollte eigentlich eine Kapelle stehen mit einem Bild oder einer Heiligenfigur, das wäre anziehender als die Dreifaltigkeitsmarter weiter drüben.” Der Gedanke fand viel Beifall bei den Wallfahrern, der Geistlichkeit und besonders bei den Nankendorfer selber. Nach einigen Hin und Her ging ein Wallmann zu den Wortführern und erklärte sich bereit, für die Kapelle ein wunderschönes Muttergottesbild zu stiften. Er habe es schon daheim stehen, aber es fehle ihm der Platz. Vor vielen Jahren wollte er selber eine Kapelle bauen, aber dazu käme es nie. Bisher habe das Bild seinem Hause viel Glück gebracht, jedoch käme es wegen Platzmangels nicht zu den Ehren, die ihm gebühren.

Sofort griffen die Nankendorfer den Vorschlag auf und versprachen, zum nächsten Märtelstag die Kapelle einzuweihen. Voll froher Hoffnung zogen die Wallfahrer heim. Als es soweit war, wurde das schöne Bild auf bekränztem Wagen feierlich abgeholt, und die Gläubigen aller Unterpfarreien nahmen an der Einweihung teil. Lob und Preis der Mutter Gottes schallte es über Berg und Tal. Dem großmütigen Spender des Gemäldes, der sich mit Tränen in den Augen von seinem Bild verabschiedete, erließ man für alle Zeit das Opfergeld für die Mutterkirche.Von nun an nahmen viele in Bittgängen ihre Zuflucht zu Maria in der Kapelle. Viele fanden oft wunderbare Erhörung. Einmal wurde das Bild auf der einsamen Höhe gestohlen. Traurig standen die Nankendorfer in der Kapelle und beteten den Rosenkranz. Und siehe – am nächsten Morgen war das Bild wieder auf seinem alten Platz. Darüber erschrak der Dieb so sehr, dass er dem Pfarrer seine  Untat gestand. Zur Sühne trat er als Arbeitsbruder in ein Kloster ein.

Ein Kunstkenner wollte auch das Bild heimlich wegbringen, aber es war wie angeschmiedet. Er erkannte eine höhere Macht und gestand seinen verhinderten Raub dem Dorfgeistlichen, damit er seinen Gläubigen die Wunderkraft des Gandenbildes eröffnen könne. Von dieser Zeit an ging der Ruf des wundertätigen Bildes weit über die Grenzen der Pfarrei hinaus.

Eine Neusiger Frau nahm zu irgendeiner Kriegszeit ihren Mettengang nach Nankendorf eigens über die Aukapelle. Sie vertraute ihre große Not und Sorge um ihre Söhne, die sich im Krieg befanden, der Muttergottes an, denn es gingen Gerüchte um, der eine Sohn sei gefallen und der andere zum Krüppel geschossen. Vor Kummer und Gebet vergaß die Bedrängte ganz ihren Mettengang. Als drunten in der Kirche die Glocken läuteten, erstrahlte das Gnadenbild in einem überirdischen Leuchten, Maria hob ihr Kind der Flehenden entgegen und sagte: “Deine Kinder sind unter meinem Mantel in guter Hut.” Und wirklich, die beiden Söhne kamen unversehrt aus dem Krieg zurück.

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