Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf Teil 2

Mit diesem zweiten Teil beginnt die Fortsetzung der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf Teil 1. Bereits zuvor im ersten Teil schilderten wir, wie die Ehrenbürgerin und Lehrerin vermutlich zwischen 1960 und 1989 eine undatierte und unbekannte veröffentlichte Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf verfasste. Diese liegt als 34-blättriges Original aus unserer Familiengeschichte vor, welche wir nach fast einem Jahr vollständig digitalisieren konnten. Vielen Dank an Annemarie Fuhrmann aus Nankendorf für deine Unterstützung.

Da die Ortschronik sehr umfangreich ist, haben wir beschlossen, die Veröffentlichung auf insgesamt vier Teile zu gliedern. Teil 1 wurde im Juli veröffentlicht, Teil 3 im September und Teil 4 folgt im Oktober.

Um eine gewisse Struktur in dem Schreibmaschinentext zu bringen, wurden die Seitennummerierungen bestmöglich sortiert und in Reihenfolge gebracht. Bei unleserlichen Wörtern wurde nach bestem Wissen und Gewissen eine behutsame Korrektur des Textes vorgenommen. Unverständliche und nicht erkennbare Wörter sowie einzelne Buchstaben, wurden mit […] gekennzeichnet. Die Originalseiten mit textenthaltenen Rückseiten sind ebenfalls mit in diesem Beitrag eingefügt worden, damit jederzeit ein Vergleich angestellt werden kann.

Für einen visuellen Eindruck der vergangenen Zeit der letzten Jahrhunderte von Nankendorf und Umgebung, füllen wir die Lücken mit Bildmaterial durch digitalisierte historische Postkarten. Vielen herzlichen Dank Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, für die Bereitstellung und Genehmigung zur Veröffentlichung.

Zur historischen Person von Gunda Rauh aus dem Nordbayerischer Kurier vom 25. August 1989:

Gunda Rauh, Oberlehrerin im Ruhestand und Ehrenbürgerin der ehemaligen Gemeinde Nankendorf, ist am vergangenen Dienstag im Alter von 96 Jahren verstorben. 33 Jahre lang unterrichtete die beliebte Pädagogin an der Volksschule in Nankendorf. Ihren Lebensabend verbrachte sie im Spital Michaelsberg in .

Gunda Rauh hat sich nicht nur um die Bildung und Erziehung der Kinder große Verdienste erworben, sondern engagierte sich auch auf kommunalem Gebiet. Ab 1946 war sie rund zehn Jahre als Gemeindeschreiberin in Nankendorf tätig. Ihrem großen Interesse an der des Ortes und seiner Umgebung verdanken die Nankendorfer eine Ortschronik, die von der Oberlehrerin verfasst wurde. Als Anerkennung für ihren Einsatz um schulische und gemeindliche Belange, ernannten sie die Gemeinderäte zur Ehrenbürgerin.

Mit Gunda Rauh starb der letzte Bürger, der diese hohe Auszeichnung der früheren Gemeinde Nankendorf trug. Auf dem Nankendorfer Friedhof wird Gunda Rauh morgen, Samstag, ihre letzte Ruhestätte finden. Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung beginnt um 14 Uhr.

Aus: Nordbayerischer Kurier vom 25.8.1989

Quelle: Gunda Rauh, Oberlehrerin im Ruhestand und Ehrenbürgerin der ehemaligen Gemeinde Nankendorf (archive.org)

Das BayernAtlas Portal stellt sowohl aktuelles Kartenmaterial, Daten der vorhandenen Boden- und Baudenkmäler als auch Uraufnahmen aus dem Zeitraum 1808-1864 zur Verfügung. Die Gegend Nankendorf und Umgebung wurde in diesem Zeitraum entsprechend kartographiert. Dort können die damaligen Gebäude mit Hausnummer und Flächen der heutigen Zeit zugeordnet werden.

Abb.: 1920 Nankendorf aus Bilderserie, Historische Postkarte, Quelle: Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, Dezember 2020
Abb.: Seite 7 (Rückseite) und Seite 9 der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf von Gunda Rauh

Seite 7 (Rückseite)

„Dechs“ fand noch eine andere Rechnung später Diese Geschichte liegt bei Dechs

Seite 9

Seit wann der Stamm „Görl“ auf dem Dechsenhaus sitzt, kann nicht erkundet werden. Görl gab es schon vor Jahrhunderten hier wie in . Nur eine genaue Hausnummerführung in den ältesten Zeiten könnte Aufschluss geben. Da Görl nach der Meinung Helldörfers (Bamberger Familiennamenforscher) wahrscheinlich von Görgel kommt (auch ich sagte bereits meinen Kindern, ohne von Helldörfer zu wissen), läge die Annahme nach, dass ein Dechs mit diesem Vornamen zum Urheber des neuen Familiennamens wurde. 1860 gehörten zum Besitz 19 Pl. Nr. und ein Grundstück, was ebenfalls für das Alter des Besitzes zeugt. 1871 waren die beiden Gebäude des Dechs – Haus und Scheune – noch mit Stroh gedeckt (nach der alten Gebäudezählung).

Außerdem ist unter Hausnummer 10 nochmals ein Görl Johann genannt – ebenfalls mit zwei Gebäuden, schindelgedeckt, da dieser Görl „der älter“ benannt ist, dürfte es ein Erb- bzw. Abzweiggut von Hausnummer 8 Görl Johann gewesen sein. Daraus ließe sich der Schluss auf meine anfangs geschriebene Annahme zu, dass Dechs außerdem Hauptbesitz noch ein Nebenhaus gehabt haben könnte, außer es handelt sich bei Hs. Nr. 8 um eine Einheirat zu Hausnummer 10 gehörten 5 Pl. Nr. mit Gemeinderecht. Bei der Gemeinde Gründung Vertlg begonnen 1855 – vollendet 1865 – bekam Dechs = Görl Georg Eng=u. Neunersleithe mit 73 und 78 Dezimal, während Görl Joh Nr 10 die Matschen- oder Sülzenleithe mit 90 Dezimal zugeteilt erhielt.

Nun lasse ich mich abermals Leiten von einem Wohnstättenplatz auf etwas erhöht liegendem Sonderort – nämlich Hausnummer 25 am gewesen sein, mit der prächtigen Fassade zur Dorfstraße am Dorfeingang. Vielmals wechselte der Familienname – 1855 Haas – in den Rechnungen fand sich einmal der Name „Lautan“ – dann Schrenker der aus Hausnummer 21 heraufheiratete – heute Distler. 1865 besaßen Hausnummer 29 neben Wohnhaus, Stall, Stadel, Holzlege, Backofen und Kellerhaus alles eine Pl. Nr. – noch 25 Pl. Nr. als Grundbesitz – also ein Großbauerngut. Von den vier Gebäuden war eins mit Schiefern und drei mit Stroh gedeckt. Lautan mag von „laut angeben“ also etwa Gemeindevorsteher kommen – eventuell auch ein Spitzname sein. Anders kam es mit der Lage: laut an der Straße = hart an der Straße gelegen zusammenhängen – eventuell aber auch auf ein Wächteramt hinweisen: der am Dorfeingang Wohnende hatte Alarm zu schlagen, wenn Verdächtiges nahte: Laut zuschlagen. Das wäre die natürliche Deutung.

Etwas höher klettert noch Hausnummer 31 hinauf mit dem Blick gegen Norden heute Hausname Wagner. 1865 hieß der Besitzer Lippert – ein Name, der schon sehr früh in den Rechnungen auftaucht, verbunden mit dem Ausdruck „Schafgut“. Sicher kommt davon der Name „Schafferleite“ verwelscht und verschleppt aus Schafleit. Es ist unter den Gebäuden auch eigens ein Schafstall vermerkt. Einer der größten Grundbesitzer war dies Gut mit Gemeinderecht und 23 Pl. Nr.

Abb.: 1970 Nankendorf Polster mit Pächter Klaus Paul, Historische Postkarte, Quelle: Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, Dezember 2020
Abb.: Seite 9 (Rückseite) und Seite 10 der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf von Gunda Rauh

Seite 9 (Rückseite)

Pleithner von pleidern = früher […]

Seite 10

Bei der Gemeinde-Grundverteilung bekam Lippert 3 Teile, und zwar die Schafferleithe mit 1,15 Tg, dann die Neuners- und Kirchenleithe. Vermutlich gehörte schon früher diese Leithe zum Besitz. Das war 1855. 1865 wurden die Grundbesitzteile revidiert mit Bleistift und neue Besitzer eingetragen. Vermutlich kam das gut unter den Hammer oder der Besitzer verstarb.

Die Hollerstaude kam zu Sponsel, das Gesteinig an Wickles, das andere an Ritter, das andere an Polster, Poppenäcker etc. an Ritter, ferner fielen Grundstücke an Walter, Müller, Heckel Gradl, (Dormannsberg) etc., sodass nur noch Gemüse-, Planzengarten und Reut- und Sulzwiese beim Gut blieben.

Samt Gemeinderecht (und noch einige Dinge in der Gebäudezählungsliste 1971 finden sich plötzlich Hausnummer 31 Lippert Margareta mit 2 strohgedeckten Gebäuden und neu Nr. 31 a (heute 31 1/2) Schirg Adam mit einem schindelgedeckten Gebäude. Es besteht die Möglichkeit, das Schirg eine Tochter aus Hausnummer 31 heiratete und so das Wohnhaus Hortelmaus entstand. Diese Zweiteilung erfolgte zwischen 1868 und 1871. Eine Schirgtochter verehelichte sich mit einem Schrüfer von Hausnummer 55. Da aus dieser Ehe wieder nur 4 Mädchen entstammten, kam durch Heirat der Name Hortelmaus auf die Hausnummer.

Genauso ergings mit Hausnummer 31 – dessen Erbfolgerin die Schwester der Schirgfrau war – wodurch eventuell der Familienname Görl (aus Hausnummer 8 kommend) den Namen Lippert auslöschte. In der Erbfolge standen abermals Töchter – weshalb dem Namen Görl der Familienname Polster folgte. Der Hausname Wagner war dem Beruf des eingeheirateten Görl zu verdanken.

Zu einen der ältesten Namen zählt Pleithner, schon Anfang 1700 in den Rechnungen genannt. Anscheinend wars immer eine alte Maurerdynastie, denn Maurermeister Pleithner hatte einmal Maurerarbeiten an der alten Kirche, dann gr. Arbeit an der eingefallenen Mauer, dann am alten Schulhaus auf der Mauer etc. Das Stammhaus der Pleithner ist das heutige Meidenbauerhaus Nr. 32. Zwar nimmt es keinen beherrschenden und feudalen Bauplatz ein – aber für einen gesuchten Handwerksmann wars ein vornehmes Plätzchen – ziemlich erhaben auf die Straße schauend und doch duckt es sich schützend zwischen andere Gebäude mit dem Berg im Rücken.

Zum Haus gehörte ein Gemeinderecht – bei der Gemeinde-Grundverteilung bekam der Besitz die Kirchleite mit 2 Pl. Nr. Nach Konkurrenzrolle von 1865 muss Pleithner ein Großbauer nach unseren Verhältnissen gewesen sein, denn 24 Pl. Nr. wurden bewirtschaftet. Doch es sind bereits nachträglich 5 Nr. abgebucht an Hausnummer 49, 24 und 20. Vermutlich wurde 441 Roter Weg an 49 d. i. damals noch Görl (heute 57) gewesen, verkauft. Da Meidenbauer dort noch einen Acker haben, gabs vor einigen Jahren Grenzunstimmigkeiten, die sich aber klärten.

Abb.: 1933 Nankendorf fränkische Schweiz, Historische Postkarte, Quelle: Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, Dezember 2020
Abb.: Seite 10 (Rückseite) und Seite 11 der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf von Gunda Rauh

Seite 10 Rückseite

Linhardt hat auch seine Chronik bekommen.

Seite 11

Zu den Erstbesiedlern rechne ich auch die Ansitzer auf dem heutigen Schmiedhaus Nr. 43. In alten Bezeichnungen findet sich der Sondername: Trettenbacherhaus. Trettenbacher steht in den alten Kirchenrechnungen Anfang 1700. Vorher wars ein Zeilmann, dann ein Popp, wovon der Name Poppenacker stammt. Einmal erscheint ein Rodler. Der Stamm Linhardt heiratete eine Rodlertochter etwa um 1860 (Stammhaus in Hannberg).

Früher fand man in den Kirchenrechnungen die Bezeichnung: Pfarrlehensgut. Da vor dem Haus der Pfarrzehentstadel stand, kann man seine Rückschlüsse auf den Zweck der ururalten Stammgebäude des heutigen Bebauungskomplexes ziehen.

Zwar behaupten die Forscher (Dr. Hofmann), dass Nankendorf nie ein Pfarrhaus besaß, da der Stelleninhaber ein Bamberger Domherr oder ein Stift war, die ihre Vertreten an Nankendorf besoldeten. Das scheint sehr unwahrscheinlich und dürfte auf die Abneigung, Nankendorfs als ein Stück Mitgeschleppsel anzusprechen, zurückzuführen sein. Nankendorf hatte immer einen Pfarrer, wenn auch nur lückenhafte Nachweise bestehen. Der Rang, der der Martinuskirche als Ur- und Königskirche zustand, bedingte keine Vakanzführung zumal ja alljährlich die Tochterpfarreien , Volsbach und Kirchahorn (Oberailsfeld) ihr Opferwallgänge einhielten, wie aus den ältesten Kirchenrechnungen ersichtlich ist. Eine Mutterkirche ohne Pfarrherrn ist paradox. In Waischenfeld saß nur der Frühmesser erst 1450 wird dort eine Pfarrei errichtet und das bedeutete den Untergang der Nankendorfer Pfarrei. Der Nankendorfer Pfarrer empfing seine untergeordneten Tochterkirchen – Wallfahrten mit großem Pomp feierte die Mutterkirche mit ihren Tochterkirchen auch „Dedikationes“ – Kirchweih- und Patronatsfeste. Folglich war der Pfarrer ansässig und besaß auch seine Wohnung. Woher heute noch die Bezeichnung „Pfarrzehentstadel“? Später benützte nur der Waischenfelder Pfarrer als Pfarrer auch von Nankendorf diesen Stadel für seine Zehenteinnahmen in Getreide, Flachs etc. In den Rechnungen wird er als Schüttboden benannt, den der Pfarrer von Waischenfeld an Einwohner von Nankendorf, Löhlitz ja sogar Waischenfeld verpachtete gegen „Bodenzins“ zur Getreidelagerung der Pächter. In den Rechnungen findet sich bei Einnahmen aus dem Bodenzins des Zehentstadels immer die Bemerkung: „nichts“, da dem Pfarrer von Waischenfeld zuständig.“ Nur für die verpachteten Schüttböden der Jakobikapelle und des Beinhauses trugen die Pfleger den Bodenzins ein. Man baute doch nicht eigens einen Zehentstadel für den in Waischenfeld wohnenden Pfarrer. Wo ein Zehentstadel = Pfarrstadel, da auch ein Pfarrhaus. Die Fama erzählt vom Pfarrhaus auf dem heutigen Schmiedehausort. Ebenso davon, dass es einem zum Opfer fiel zwischen 1300 und 1400. Mit den Hussiten hat das nichts zu tun. Die Häuser waren nur Lehm-

Abb.: 1959 Januar Löhlitz Melkkurs, Historische Postkarte, Quelle: Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, Dezember 2020
Abb.: Seite 12 und 13 der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf von Gunda Rauh

Seite 12

bauten mit Stroh – im besten Falle mit Schindeldächern. Man kannte nur Kienfackeln, hatte keine gedeckten Beleuchtungen – leicht ist ein Brand möglich. Beim Bau der jetzigen Schmiedescheune 1925 etwa fanden sich viele Kohlenreste, Brandboden etc. Diese heutige Scheune steht auf dem Zehentstadelplatz Nummer 77. Die Lage des Pfarrhofes war hier ideal – erhaben – nach Süden blickend – gegen die Tochterkirchenlage gewendet. Doch sinnbildlich kindlichdirekt. Nun brachte man hierfür auch das verneinte Argument, dass es unmöglich sei, den Pfarrhof außerhalb der Wehrmauer zu bauen. Dazu wird erklärend betont, dass diese Wehrmauer erst nach dem Brand des Pfarrhauses etwa auf Anfang 1400 unter den größten Opfern der ganzen Pfarrei – die Tochterkirchen mit inbegriffen – errichtet wurde. Vielleicht gab der Pfarrhausbrand den Anlass dazu, denn die Zeiten waren unruhig und große Sorgen um Erhaltung ihres Martinusgotteshauses – als Wallfahrtszentrum gaben fanatischen Ansporn. Dass Nankendorf mit Pfarrei, Löhlitz und eventuell Waischenfeld allein diese Wehrmauer schufen, ist nicht denkbar. Ungeheure Erdmassen waren wegzuräumen – wuchtige Bausteine zu brechen und zuzuhauen und herbeizuschaffen. Dieser ideale Gemeinschaftsgeist ließe sogar den verwegenen leider nicht zu beweisenden Schluss zu, dass das Pfarrhaus einer Brandlegung zum Opfer fiel – aber wie erwähnt, nicht nachweisbar. Nach dem Brand wurde kein Pfarrhaus vorläufig mehr errichtet, denn die Wehrkirchenanlage fordertet alle Kräfte und die höchsten Leistungen. Inzwischen wurde das aufstrebende Waischenfeld zur Pfarrei gestempelt und angeblich aus Sparsamkeitsrücksichten bzw. Pfarrmangel die Versehung der Nankendorfer Pfarrei dem Waischenfelder Pfarrer übertragen. Damit fielen auch viele Nutznießungen aus den Stiftungsgütern dem Waischenfelder Pfarrer zu. Nankendorf wurde zur Tochterkirche degradiert. Freilich erscheint äußerlich diese Ineinanderschachtelung ganz selbstverständlich – wer aber die Kirchenrechnungen soweit vorhanden Stück für Stück durcharbeitete, findet zwischen den Zeilen in anscheinend belanglosen Bemerkungen nicht nur Trauer, sondern auch Sehnsucht und eine gewisse Auflehnung der „Oberen Pfarrei“ über das Verlorengegangene. Einmal wurde auch über etwa Ein Dutzend Nankendorfer vom Pfarrer eine Kirchenstrafe in Geld verhängt wegen „boshaftiger Widersetzlichkeit“. Die Stiftungsgüter verloren teilweise auch durch die gemeinsame Betreuung durch einen Seelenhirten ihre wahre Zugehörigkeit. So schreibt auch Dr. Hofmann. Unbedingt sind die Pfarrwiesen Eigentum der Nankendorfer Stiftung, da ja auch die jahrhundertelange Instandsetzung Nankendorf leistete. Und das „Güterbuch und Stiftungsbuch“ fehlt – 1843 nannte es Kaplan Igel noch und wies die Pfarrwiese, das Fischwasser und mehr Nankendorf zu aufgrund dieser Aufzeichnungen. Erst 1754 ließ sich der Pfarrer 20 Klafter Holz mit

Seite 13

„Gereiß“ durch das Ordinariat (Vikariat) zuweisen auf eine Zeitlang seine Not zu lindern. Und daraus wurde ein Recht – noch heute bestreiten die Waischenfelder den Besitz des Stiftungswaldes für Nankendorf.

Das zum „Pfarrlehensgut“ dem späteren Trettenbacherhaus – der heutigen Schmiede. Die Erstsiedler fanden stets einen isoliert erhaben stehenden Bauplatz – darum gab man auch seinem Pfarrer wohl die schönste Wohnstätte innerhalb der kleinen Dorfgemeinschaft.

1871 war Rodler Inhaber von Hausnummer 43 – der zwei Gebäude besaß das Haus schindel- die Scheune strohgedeckt. Der Kirche gehörte die Zehentstadelhofstatt. Diesen Platz verkaufte die Kirche zwischen 1925/28 an Hausnummer 43. 1871 stand auf dem Zehentstadelplatz das gemeindliche Feuerrequisitenhaus.

Der riesengroße Besitz „Schatzgut“ wurde bereits erwähnt – es breitete sich im heutigen Polsterhof aus und besaß die Nr. 48/49 – später unter zwei Brüder geteilt.

Auch das „Badhaus“ wurde erwähnt. Es gehörte der Kirche wie sich aus den Rechnungen eine ganze „Badhausgeschichte“ ergab. Auch das uralte Badhaus zwischen Sutte und im gefährlichen Halbinselwinkel brannte ab und wurde erst nahezu Hundert Jahre später wiedererbaut und verpachtet an den Bademeister = Bader. Infolge Hochwassergefahren und -bedrängnissen zogen etwa 1850 die Besitzer Hollfelder Nr. 50 aus wie auch der Besitzer Nr. 51. Die Bauten verfielen – aber die Gemeinderechte wurden auf den Neuansiedlungsplatz mit übernommen. Nr. 51 + 53 tragen noch heute die Katasterbezeichnung Badhaus.

Nr. 51 hatte ein Häfner inne (auch Badhaus im Kataster) vorher Schatz – eventuell ein verarmter Nachkomme des einstigen reichen Schatz. Nr. 51 zog nach Aufgabe des Badhausteils an den Sutten-Polsterhof. Polster kaufte es später dem Besitzer ab und nahm es für seinen Hofraum bzw. für einen Stadel. Als 1875 Nr. 53 – Heid an Rühr überging und dieser wenige Jahre später abzog, übersiedelte der Besitzer von 51 auf 53 – Fuchs. Dieser heiratete von Hannberg hier eine Krugtochter als letzte Besitzerin von Hausnummer 51. Das Haus wurde abgebrochen und seitdem fehlt Hausnummer 51 in der Nummernreihe (fortlaufenden).

Nr. 52 stand ebenfalls im Polsterhof – es waren kleine eingezwängte Gebäude ohne Hofraum und mit viel strittigen Raumobjekten. Dieser Hof hieß „Schirgenhofrest“ wahrscheinlich auch der Rest eines größeren Besitzes – der Inhaber war Metzger Dattler. Seine Tochter heiratete Fiedler aus Neusig, der ebenfalls Metzger war. Ochsenwirt war der Hausname. Ein Brand vernichtete dieses Gebäude. Polster gab einen neuen Bauplatz, um seinem Hofraum abermals zu erweitern. Hausnummer und Gemeinderecht gingen samt Besitz auf den Neubau in der über.

Abb.: 1970 Nankendorf Polster mit Pächter Klaus Paul, Historische Postkarte, Quelle: Christian Görl aus Hintergereuth im Ahorntal, Dezember 2020
Abb.: Seite 13 (Rückseite) und Seite 14 der Geschlechter- bzw. Gebäudechronik von Nankendorf von Gunda Rauh

Seite 13 (Rückseite)

Ein Kundsohn kaufte mit einem Neuner – Friedrichs 1689 Kaupersberg Fürstbischof in Bamberg und sie erhielten die Erlaubnis aus dem Großgut Kauper, drei Hofgüter zu machen.

Seite 14

Gemeinderecht und Besitz wie Hausname Ochsenwirt ging ins neue Heim mit über.

Die Eiergaßhäuser verdienen eine Extraerwähnung, da fast jedes einen Sonder-Beinamen hat. Eingeleitet von Hausnummer 54 „Kund“ oder „Kunleut“ heute noch als Hausname. Diese Bezeichnung fand sich bereits in den Stiftungsrechnungen etwa Ende 1600 oder Anfang 1700. Kundleut. Ob das nun von Konrad = Kurz stammt (Kunrad) oder von Kunigund ist leicht möglich als Abkürzung. Damals fanden sich die seltensten Kurznamen wie Endres oder Deas für Andreas, Görl für Görg (Helldörfer geschrieben), Stoffer für Christoff, Zacher = Zacharias, Marx für Markus, Hannßen = Hans, etc. 1718 ist ein „Kundmann“ als Zinszahler geschrieben. (Mann der „Kundel?“) oder Mann, der Kunde = Botschaften überbringt?). 1860 heißt es bei Hausnummer 54 Waltersgut. Damals wird der Besitzername „Schwarzmann“ bereits auf Bäuerlein überschrieben. Stammhaus der Bäuerlein war und ist Hausnummer 35 – sicher handelte es sich um eine Einheirat. Bei der Gemeindegründeverteilung ist noch Schwarzmann benannt (1868).

Hausnummer 55 – Brasch – das „Tropfenhäuslein“ (1860). Der Hofraum fehlte denn der besitz ging nur bis zur Dachtrüpfe oder betrug die Breite einen Braschelbündels (Reisigbündel). Damals saß ein Schrüfer Balthasar, Weber, darauf. Abstammung davon Haus (Schrüfer) Hausnummer 31 ½ – ebenfalls Brasch geheißen – heute Hortelmaus.

Hausnummer 56 heute Kutscher – 1860 Veitngütl. Dort wohnte Hutzler, der aus dem Hause Hutzler Nummer 7 stammte – bereits 1700 oder etwas später als Veit genannt. Veitngütel gabs also zwei. Wenn auch die heutige Veitn Nummer 7 das Anwesen erst von den Maurersleuten, die nach Hubenberg zogen, übernahmen, der Hausname Veit dort ist uralt (von Vitus).

Als Hutzler Nummer 56 mit Neubauer Nummer 1 (heute Brauhaus) tauschte, wanderte der Hausname Kutscher mit auf Nummer 56 über und dadurch verlor sich die Bezeichnung Veitngütl.

Hausname Lehnerleut wurde bereits beschrieben – „Neunersgutsrest“

1860 noch Plank – 1868 bereits Görl

Hausnummer 58 war Tropfengütlein Nummer 2 mit Schneider Zettner als Besitzer 1868 Stöcklein, heute im Aussterben, da die beiden Töchter als Namensträger nicht in Frage kommen.

Nummer 59 hieß „Schwarzmannshaus“, von dem Weber Schwarzmann bewohnt. Dürfte bereits aus dem Hausnamen Schwarzmann = Kohlenbrenner aus ältesten Zeiten entstanden sein. Das Holz der vielen Waldrodungen wurde in Meilern zu Kohlen verbrannt – womit die Schmiede ihre Esse schürten.

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