Historische Ansichten Teil 4

Im vierten Teil der Serie „Historische Ansichten – Wie sah Nankendorf im letzten Jahrhundert aus?“ möchten wir Fotos aus alten Fotoalben von Konrad Sebald zeigen. Diese wurden neu digitalisiert und überarbeitet, um so die altersbedingten Verwitterungen zu kompensieren.

Abb.: Der damalige Pfarrer, Kuratus oder Kaplan mit einer unbekannten Familie rechts vor der Sakristei der in Nankendorf Anfang des 20. Jahrhunderts. Man erkennt sehr gut die damalige Kleidung sowie dass der Boden noch unbefestigt ist.
Abb.: Die damalige Familie Sebald vor Ihrem Anwesen, der Anfang des 20. Jahrhunderts. In der ersten Reihe als sechster von Links steht Georg Adam Sebald, mit Schnurbart. Er war der Vater von Josef Sebald, Großvater von Konrad Sebald und Urgroßvater des heutigen Mühlenbesitzers Johannes Sebald. Sehenswert ist auch die damals schon vorhandene elektrische Außenbeleuchtung oberhalb der Haustüre.
Abb.: Junge Erwachsene bei einem Motorradrennen mit Anblick auf den „Straßberg“ Richtung Mühle in den 1950er Jahren. Die noch unbefestigte Straße führt weiter zum damaligen Mühlensteg, der die Wiesent überquert hat und Richtung Auberg führt.
Abb.: Die jährliche Fronleichnamsprozession in den 1950er Jahren am noch nicht ausgebauten Brunnenweg, wo heute der Schatzbrunnen wieder in neuem Glanz erstrahlt. Auch sieht man auf dem Foto Altbürgermeister und Schützenvereinsmitglied Josef Sebald in der rechten Reihe und vierter von vorne.
Abb.: Die Fronleichnamsprozession in den 1950er Jahren, die über die flache Brücke bei der Mühle in Richtung St. Martin Kirche ihren Weg bahnt
Abb.: Die Mühle nach Schätzungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an einem kalten und nebligen Morgen. Sehenswert sind Knechte und Mägde, das Pferdefuhrwerk und die Wasserhochstands-Markierung ganz rechts an der Mauer der Mühle. Die dunkle Verfärbung am Sockel müsste nach unserer Schätzung vom großen Hochwasser aus dem Jahr 1840 stammen.
Abb.: Die Mühle aus Richtung des Anwesen Schnörer in den 1950er Jahren am Tag der Fronleichnamsprozession. Auch wurde bereits ein Dach über das Wasserrad gebaut.
Abb.: Das Festzelt zur Schuleinweihung im Jahr 1964/1965. Vierter von Links am vorderen Tisch sitzt der damalige Nankendorfer 1. Bürgermeister Josef Sebald.

Josef Sebald hat jahrzehntelang maßgeblich das dörfliche Leben und die Entwicklung in der früheren selbständigen Gemeinde Nankendorf mitgeprägt.

Beruflich war er Landwirt und Müller. Im Jahr 1909 geboren, übernahm er mit 30 Jahren im Jahr 1939 die Mühle seines Vaters, Georg Adam Sebald. Mit 24 Jahren wurde er im Jahr 1936 in den Nankendorfer Gemeinderat gewählt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er trotz oder vermutlich gerade wegen seiner Kriegsdienstverweigerung eingezogen. Dabei kam er zu Ende des Krieges in russische Kriegsgefangenschaft. Er wurde dort einem Chauffeurposten einem General zugeordnet, so konnte er eines Tages aus der Gefangenschaft fliehen und unverletzt zu seiner Familie heimkehren.

1946 übernahm er mit 37 Jahren das Amt des ersten Bürgermeisters, dass er bis zur Eingemeindung von Nankendorf in die Stadt Waischenfeld am 01. Januar 1972 ausübte.

Sein erstes großes Projekt in den schweren Nachkriegsjahren war von 1948 bis 1952 der Bau einer zentralen Wasserversorgung, der Kanalisation und der Befestigung der Ortsstraßen im Gemeindegebiet. Das heutige ehemalige Schulhaus und das Leichenschauhaus wurden während seiner Amtszeit errichtet.

Geschätzt war Josef Sebald wegen seiner Ehrlichkeit, Offenheit und ausgleichenden Art. Der Kommunalpolitiker hat es immer vermieden, auf seinen eigenen Vorteil zu achten, viel wichtiger war ihm, dass die anderen Bürger zu ihrem Recht kamen.

Abb.: Josef Sebald privat bei einem seiner Freizeitbeschäftigungen, dem Fischfang mit einer Reuße in der Wiesent in den 1930er Jahren. Als passionierter Angler gehörte er rund vier Jahrzehnte lang dem Fischverein Fränkische Schweiz an.

Auch durch seine besonnene Finanzpolitik hat sich der Altbürgermeister einen Namen gemacht. Baumaßnahmen führte er nur dann durch, wenn die Kommune dafür genügend Geld hatte. So hat er es fertig gebracht, bei der Gebietsreform in den Jahren 1971/1972 seine Gemeinde ohne Schulden an die Stadt Waischenfeld zu übergeben.

Seine erfolgreiche kommunalpolitische Arbeit wurde mit hohen Auszeichnungen bedacht. Josef Sebald war Träger des Bundesverdienstkreuz und erhielt für sein Bemühen um die kommunale Selbstverwaltung die Verdienstmedaille des bayerischen Innenministeriums.

Auch der Förderung des Vereinslebens galt sein Augenmerk. Nach dem Krieg zählte er zu den Initiatoren bei der Wiedergründung des Nankendorfer Schützenverein Hirschensprung. Als 80jähriger frönte er noch seinem Hobby, dem Schießsport. Die Schützen würdigten seinen Einsatz für den Verein mit der Ehrenmitgliedschaft.

Abb.: Josef Sebald amtlich als 1. Bürgermeister von Nankendorf in den 1980er Jahren

In der Nankendorfer Feuerwehr, deren Vorsitz er jahrzehntelang führte, war Josef Sebald Ehrenvorsitzender. Als Bürgermeister hat er dafür gesorgt, dass die Wehr eine neue Spritze bekam und dass die Löschgeräte entsprechend untergebracht waren. Außerdem konnte er die Jugend für den Dienst der Feuerwehr begeistern. So entwickelte sich die Freiwillige Feuerwehr Nankendorf zur personell stärksten im Waischenfelder Stadtgebiet.

Auch die Wiedergründung des Nankendorfer Gesangsvereins war wesentlich mit ein Verdienst des damaligen Bürgermeisters. Er war auch Mitglied der Soldatenkameradschaft Nankendorf-Löhlitz und setzte sich für die Belange der Nankendorfer Pfarrei St. Martin ein.

Josef Sebald verstarb im Februar 1990 im Alter von 81 Jahren. Er hat vier Kinder und 18 Enkel hinterlassen, die damals am Grab am Nankendorfer Friedhof um ihn trauerten.

Quelle: Einige Textabschnitte stammen aus einem unbekannten Zeitungsartikel von 1990.

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  1. Herzlichen Glückwunsch! Das ist mal ein Grund zum Feiern. Es steckt schon eine große Menge Recherchearbeit hinter jedem einzelnen Artikel.…

Ein Kommentar

  1. Nicht zur Veröffentlichung gedacht
    26. November 2014 20:05

    Deine Tante Marie kennt alle Leute auf dem 2. Bild, und sicher noch ein paar auf den anderen.

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