Die Mühle und ihre Geschichte

Die eindrucksvolle Mühle in Nankendorf bei Waischenfeld liegt direkt an der Wiesent. Bereits im Jahr 1539 wurde sie in den Bayreuther Stadt- und Gerichtsbüchern erwähnt:

B 8/33 (vgl. 41) Vertrag zwischen den Erben des Erhardt Hochgesang, Gold genannt, Müller auf der im hlg. Kreuz neben dem Schwibbogen gelegenen Mühle. Die Witwe Katharina hatte sich mit dem Nankendorfer Müller Valentin von Thürn wiederverehelicht und zum Schaden ihrer fünf unmündigen und noch nicht in Vormundschaft befindlichen Kinder Barschaften nach Nankendorf in das Stift Bamberg verschleppt. Dafür waren sie und ihr Mann inhaftiert worden. Derzeitiger Inhaber der Mühle ist Claus Viechtel, Permulner genannt, der den den Kindern zugesprochenen Acker auf drei Jahre um sechs Gulden Zins verpachtet erhält. 05.01.1539

B 8/41 (vgl. 33) Quittung des Valentin von Thürn zu Nankendorf („Lanckendorff bey Weischenveldt“) und seiner Ehefrau Katharina, Witwe des Bayreuther Bürgers Erhardt Hochgesang, Goldtmulner genannt, über den Empfang der ihnen in der Erbteilung zugesprochenen 104 Gulden. Sollte die Frau vor Jahr und Tag nach dem ehelichen Beischlafen ohne Nachkommen sterben, soll von Thürn nur das einbehalten, was im Heiratsvertrag auf den Jahrsfall festgesetzt ist. 22.09.1539

Quelle: Bayreuther Stadt- und Gerichtsbücher 15. Jh. und 16. Jh. (Stadtbuch 1538 – 1551)

Nach heutigen Stand wissen wir sicher, dass die Mühle mindestens seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Sebald ist. Dies belegen Nachforschungen der Tochter vom jetzigen Mühlenbesitzer Konrad Sebald, Veronika Hartmann (geb. Sebald). Dabei waren ihr die Archive des Erzbistums Bamberg sehr hilfreich.

Der Müller Andreas Sebald (geb. 14.02.1791) und seine Ehefrau Franziska Sebald (geb. Körber, 02.10.1772) lebten dort zur damaligen Zeit. Am 24. März 1801 kam es zu einem Dachstuhlbrand an einem Teil der Mühle, der von der Familie wieder repariert wurde. Heute noch sichtbare Spuren der verkohlten Balken legen Kenntnis ab, über einen großen Schaden des Daches.

Anschließend folgte der Sohn Johann Sebald (28.03.1813 – 16.04.1891) mit zweiter Ehefrau Gertraut Sebald (geb. Wehrl, verh. seit 13.05.1856). 1832 ist eine schlimme Dürre gewesen, im ganzen Jahr hat es keine zwei Tage hintereinander geregnet. Danach folgte Sohn Georg Adam Sebald (04.12.1870 – 01.06.1952) mit Ehefrau Anna Sebald (geb. Heilmann, 07.07.1873 bis 21.04.1877). Im Jahr 1898 hatte Georg Adam Sebald eine Schuckert-Maschine gekauft. Sie ist hier bis 1930 gelaufen, erzeugte 110 Volt Spannung, ein Langsamläufer mit 850 Touren. Mit dieser Stromerzeugung wurde das Licht, vor allem Glühbirnen mit elektrischer Energie versorgt. Auch wurden die umliegenden Häuser und einen Teil der schon vorhandenen Ortsbeleuchtung mit elektrischer Energie vom Mühlrad versorgt. Mit dem Mühlstein, der seit 1900 in der Kunstmühle vorhanden ist, wurde Mehl und Schrot für die Bauern aus der Gegend produziert.

Darauf folgte als Müller zuerst sein erster Sohn Georg Sebald (13.11.1901 – 13.08.1940), doch als dieser verstarb übernahm sein Bruder und späterer Bürgermeister von Nankendorf Josef Sebald (12.01.1909 – 02.02.1990) mit Ehefrau Kunigunde Sebald (geb. Brendel, 29.07.1914 – 21.06.1996) den Besitz. Als Josef Sebald von 1943 bis 1946 in den Zweiten Weltkrieg trotz Kriegsdienstverweigerung eintreten musste, übernahm in dieser Zeit das Müllerhandwerk ein Müller aus Veitbronn. Auch beherbergte in diesen schweren Zeiten die Familie Sebald eine Flüchtlingsfamilie, deren vier Kinder in der Mühle geboren wurden. In den Nachkriegsjahren wurde etwa 20 Zentner Korn am Tag gemahlen, ca. 7300 Zentner pro Jahr. Ab 1948 kamen dann auch Leute aus Bayreuth und Umgebung um Mehl von der Mühle zu kaufen. 1956 übernahm dessen Sohn Konrad Sebald der heutige Mühlenbesitzer den Betrieb und legte 1964 in diesem Handwerk seine Meisterprüfung ab. Bis zum Jahr 1992 wurden ca. 1500 Zentner pro Jahr produziert. Dann musste der Mühlbetrieb aufgrund unwirtschaftlicher Rentabilität eingestellt werden.

Seit 2004 dient sie rein der Stromerzeugung mit Einspeisung in das Stromnetz. Die Drehungen des mit 5,20 Meter Durchmesser großen Wasserrads gelangen über eine Welle zum Getriebe, dass die mechanische Wasserkraft in elektrische Energie umwandelt. Die erzeugte elektrische Leistung beträgt heute im Durchschnitt 4 bis 5 kW.

Eindrucksvoll an der Hausecke, sind die Markierungen der am höchst gelegenen Hochwasser, welche die Mühle im Laufe ihres Daseins heimgesucht haben. Die höchsten uns bekannten geschahen 1840, dann 1909 ausgelöst durch einen Wolkenbruch mit Gewitter (bisher höchster Stand von ca. 2 Meter) und 1947 stieg der Pegel auf Tischhöhe, ausgelöst durch eine Schneeschmelze im Frühjahr. Im Jahr 1992 stand ebenfalls das Gebäude knietief unter Wasser, ausgelöst durch einen Wolkenbruch mit Gewitter.

Alle historischen Fotos wurden in wesentlich besserer Auflösung neu digitalisiert und überarbeitet, um so die altersbedingten Verwitterungen zu kompensieren.

Titel-Abb.: Die Nankendorfer Mühle im Mai 2018 – Quelle: Johannes Sebald

Abb.: Die Nankendorfer Mühle im Mai 2018 – Quelle: Johannes Sebald

Abb.: Die Nankendorfer Mühle im Februar 2014 – Quelle: Johannes Sebald

Vor dem 20. Jahrhundert existierten drei hölzerne Mühlräder hintereinander, bis diese vermutlich durch ein Hochwasser zerstört wurden. Die jetzige Konstruktion des mittelschlächtigen Wasserrads besteht aus Eisen in Kombination mit Holz und wurde im Zuge der letzten Restauration im Jahr 1973 selbst erbaut. Das Wasserrad bekam im August 2007 neue Schaufeln und Streben. Zehn Jahre später, im Frühjahr 2017 wurden die Betonfundamente stabilisiert und erweitert.

Abb.: Das Wasserrad der Nankendorfer Mühle im März 2004 – Quelle: Johannes Sebald

Das nächste Foto zeigt die Mühle mit Wehr nach einem Hochwasser etwa im Jahr 1900. Auffällig ist hier, dass noch keine Bedachung (Funktion als Sonnenschutz gegen Austrocknung) für das Wasserrad vorhanden ist. Auch ist noch kein Häuschen oben links des Mühlendaches für die Getreideverarbeitung vorhanden. Für die Überquerung der Wiesent ist nur ein schmaler Steg vorhanden. Auch sind im Hintergrund die kargen Talhänge ohne Baumbepflanzung zu erkennen.

Abb.: Die Nankendorfer Mühle um 1900 – Quelle: Johannes Sebald

Das nächste Foto zeigt den ehemaligen Stadel der Mühle ebenfalls etwa im Jahr 1900 in Richtung Waischenfeld an der Hauptstraße. Dieser wurde für die Getreide- und Maschinenlagerung verwendet und befindet sich noch heute an der gleichen Stelle. Sehenswert ist hier unter anderem die dampfangetriebene Getreidemaschine.

Abb.: Der alte Stadel der Nankendorfer Mühle an der Hauptstraße zu Waischenfeld Anfang des 20. Jahrhunderts – Quelle: Johannes Sebald

Im folgenden Foto sehen Sie die Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts aus Sicht des Nachbaranwesens der Familie Schwarz. Hier fließt noch der Schmierbach von Löhlitz kommend durch die Sutte an der Mühle in die Wiesent. Sehenswert ist hier die elektrische Außenbeleuchtung an der Mühle und der alte Stall auf der linken Seite.

Abb.: Die Nankendorfer Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts – Quelle: Johannes Sebald

Im folgenden Foto sehen Sie ebenfalls die Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts aus Sicht von der Hauptstraße. Sehenswert ist hier der schmale Steg zum Auberg führend, die alten Hochwassermarkierungen aus den Jahren 1900 und 1901, sowie die alte Wetterfahne hoch oben am Auberg-Felsen. Am gleichen Platz steht heute das Kreuz, welches bei Festlichkeiten, wie der Ewigen Anbetung beleuchtet wird.

Abb.: Die Nankendorfer Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts – Quelle: Johannes Sebald

Das Wehr der Mühle wurde bereits vor dem 19. Jahrhundert erbaut, es besitzt von Beginn an eine natürliche Fischtreppe, welche jedoch vom Wasserwirtschaftsamt Hof nicht anerkannt wird. Im nächsten Foto sehen Sie die Ansicht auf das Wehr der Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier erkennt man wesentlich mehr Gestrüb entlang der Wiesent. Die Baumbepflanzung der Talhänge ist schon wesentlich dichter als noch im Jahr 1900.

Abb.: Das Wehr der Nankendorfer Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts – Quelle: Johannes Sebald

Bereits im Jahr 1938 wurde am Wasserrad eine Verstärkung der Fundamente durch Beton vorgenommen und eine Bedachung angebracht. Auch sind die drei „Schützen“, die noch heute in der Bauart vorhanden sind, klar erkennbar.

Abb.: Die Nankendorfer Mühle um 1938 – Quelle: Johannes Sebald

Abb.: Die Nankendorfer Mühle um 1938 – Quelle: Johannes Sebald

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3 Kommentare

  1. Mr. Miller
    26. März 2014 23:05

    Am besten gefällt mir das Foto mit der Dampfmaschine. Besonders wegen der abgebildeten Leute. Interessant wie man sich damals gekleidet hat. Kennt jemand einen dieser Menschen?

  2. Haversath
    04. Februar 2016 09:42

    Ist die Mühle Nankendorf noch in Betrieb? Wenn nein: Wie wird sie heute genutzt? Steht das Haus leer?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
    Mit bestem Dank
    Haversath

  3. 04. Februar 2016 09:48

    Hallo Haversath,
    vielen Dank für Ihr Kommentar und Interesse an dem Beitrag.
    Die Mühle dient seit dem Jahr 2004 der Stromerzeugung mit Einspeisung in das Stromnetz. Das Haus wird von der Familie Sebald weiterhin bewohnt.

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