Sagen und Legenden: Die Marter in der Au

Im achten Teil der zehnteiligen Reihe “Sagen und Legen” geht es um zwei Sagenformen von der Marter in der Au bei Nankendorf. Diese liegt in Richtung Waischenfeld gleich einige Meter von der neuen Radwegbrücke am alten Wanderweg entfernt.

Der Text stammt aus dem Buch “Sagen, Legenden und Geschichten aus der Fränkischen Schweiz”, erschienen im Verlag Palm & Enke, Erlangen von Heinz Büttner. Zuvor bedanke ich mich ausdrücklich für die freundliche Genehmigung bei Verlag und Autor für die Veröffentlichung.

Viele Sagen wurden erlauscht und nacherzählt, viele andere Legenden zusammengesucht aus der weit verstreuten und kaum verfügbaren Literatur, die teilweise bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Gegenüber dem Säustein befindet sich auf schmalen Wiesentstreifen eine Marter direkt vor dem steilen Abhang. Zwei Sagenformen halten die Ursache der Errichtung fest.

1. Ein Waischenfelder Krautschneider – dieser hatte das verbriefte und versteuerte Alleinrecht, das Kraut zum Einsäuern auf den umliegenden Gehöften zu schneiden – ging in einer sehr späten Nachtstunde von Nankendorf heim. Er hatte den ganzen Tag bei einigen Bauern das Kraut gehobelt. Den schweren Holzhobel mit den Schiebemessern hatte er mit einem Strick um die Schulter gehängt. Weil die Nacht mondlos und regnerisch war, wie eben die Novembernächte sind, gaben ihm die Leute den Rat, doch nicht über den Berg, sondern der Straße nach zu gehen. Aber der Krautschneider war seines Weges sicher, Furcht kannte er nicht,  und zudem wohnte er in der Fischergasse in Waischenfeld, die er vom Auberg her rascher erreichte. Aber trotz aller Ortskenntnis verlief er sich in der Stockdunkelheit, kam zu weit nach rechts, rutschte ab und stürzte von einen Felsen in die Tiefe. Das Martel soll den Ort künden, an dem man den Toten fand.

2. Ein Nankendorfer Müller ging in Winterszeiten gern zum Plausch und Gedankenaustausch zum Uhlbauern auf Schlößlein. Das ist ein einsamer Wiesenbauernhof zwischen Nankendorf und Waischenfeld. Man rauchte sein Pfeiflein, erzählte sich dies und das und ging dann als guter Nachbar wieder heim.

Einmal zeigte der Uhlbauer dem Müller die alten Schloßgewölbe in den Kellern, in denen man früher das Pulver lagerte. An sich hatte der Bauer jedermann den Zutritt zu den baufälligen Gebäuden verboten. Und wie der Teufel sein Spiel treibt, stürzte plötzlich ein Stück des Gewölbes ein, als die beiden Männer sich mit ihrer Funzellaterne dort befanden. Ein Steinbrocken traf den Müller so, dass er bewusstlos zusammenbrach. Man hinauf in die Wohnstube und gab ihn einen scharfen Schnaps. Bald hatte sich der Verunglückte wieder erholt, bloß etwas „dumm“ war ihm. Der Uhlbauer wollte ihn mit seinem „Scheßlein“ nach Hause fahren. Dagegen wehrte sich der Müller, den da würden seine Leute erschrecken. Übrigens würde ihm die frische Luft nur gut tun. Und so machte er sich auf dem Weg. Aber heimgekommen ist er nicht. An der Stelle, wo die Marter steht, brach er zusammen und erfror in der eiskalten Winternacht. Die Müllersleut setzten das Marterl.

Der wirkliche Hintergrund über die Errichtung der Marter ist aber nirgends festgehalten.

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Ein Kommentar

  1. Martin Sebald
    30. Dezember 2012 01:15

    Ich finde die Sage sehr gut, nur leider ist es schade nicht mehr Kenntnisse über die damaligen Ereignisse zu besitzen. Zudem scheint das Leben in früheren Zeiten weniger hektisch gewesen zu sein. Vielleicht aber machen wir uns das Leben manchmal selbst schwerer als es eigentlich ist…

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