Die Jungmagd und der Pöpl in der alten Mühle

Im dritten Teil der Reihe “Sagen und Legen” geht es um die Jungmagd und der Pöpl in der alten Mühle aus dem Buch “Sagen, Legenden und Geschichten aus der Fränkischen Schweiz”, erschienen im Verlag Palm & Enke, Erlangen von Heinz Büttner. Zuvor bedanke ich mich ausdrücklich für die freundliche Genehmigung bei Verlag und Autor für die Veröffentlichung.

Viele Sagen wurden erlauscht und nacherzählt, viele andere Legenden zusammengesucht aus der weit verstreuten und kaum verfügbaren Literatur, die teilweise bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht:

Bevor am Sonntag die Müllerin zum Gottesdienst ging, befahl sie ihrer Jungmagd: “Mach’ das Essen fertig und pass auf die Kinder auf! Wenn dir was nicht ‘quoa’ (nicht geheuer) vorkommt, brauchst du dich nicht zu fürchten.” Als es gerade zur Wandlung läutete, hörte die Magd ein Geräusch, als ob ein Sack Erbsen die Stiege herabgeschüttet würde.

Gleich schaute sie sich um, es rollte und bollerte jedoch weiter, ohne dass etwas zu sehen war. Vor lauter Schreck vergaß das junge Ding die Mahnung der Frau, packte die kleinen Kinder und lief mit ihnen in den Hof. Sogar die Wiege schleppte sie mit. Drinnen im Haus aber hörte man es rumoren. Die Kochtöpfe wurden auf dem Herd hin und her gerutscht, das Ofentürlein klapperte, und der Geruch von übergelaufenen Speisen machte der Magd himmelangst. Sicher würde alles anbrennen.

Endlich kamen die Leute aus der Kirche heim. Als die Müllerin die Gesellschaft vor den Hause standen sah, wusste sie gleich, was vorgefallen sein könnte. Rasch lief sie in die Küche und hörte das Jammern der Magd gar nicht erst an. Doch welche Überraschung harrte der Ankommenden. Der Tisch war gedeckt, die weißen Klöße standen dampfend auf dem Tisch, und der braunkrustige Schweinebraten daneben, ebenso Kraut und Brühe. Da rief die Müllerin die zögernde Magd und sagte: “Dummes Ding! Der Pöpl will dich bloß ‘foari’ (fürchtend) machen. Was hab’ ich nicht gesagt. Wärst drin geblieben, wär er dein freund geworden. So aber kannst du noch allerlei Tratz von ihm erleben.”

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