Fliegenfischen an der Wiesent 1773

Dieser Beitrag stammt von unserem ehemaligen Gastautor – Einen Literaturprofessor zu seinen fliegenfischenden Freunden zu zählen ist sicherlich sehr interessant, zumal ich durch seinen Hinweis auf das historische Werk „Allgemeine Abhandlungen von den Fischereyen und der Fische“ aufmerksam wurde. Bei diesem Buch handelt es sich um die deutsche Übersetzung eines französischen Werkes. Der Leipziger Gelehrte Daniel Gottfried Schreber hat dieses Werk der Autoren Duhamel du Monceau und de la Marre ins Deutsche übertragen. Daniel Gottfried Schreber wurde am 14. Januar (andere Quelle: 14. Juni) 1708 in Schulpforte geboren.

Er war ein deutscher Jurist, kursächsischer Kammerregierungssekretär, Professor für Philosophie und Kameralwissenschaften in Bützow und Leipzig. Einer Information der Universität Leipzig sogar der erste Lehrstuhlinhaber für Ökonomie und Kameralwissenschaften mit enger Verbindung zur Landwirtschaft. Er starb 1777 in Leipzig.

Im Zeitalter der globalen Vernetzung von Wissen durch das Internet konnte ich dieses Buch von 1773 Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library (biodiversitylibrary.org) gescannt finden. Es entstammt der Sammlung des bekannten amerikanischen Fischkundlers Samuel Walton Garman und wurde nach dessen Tod 1927 am 08. April 1929 in die Bibliothek der Harvard University aufgenommen.

Wikisource.org und Forschungsseminar Uni Leipzig

Warum schreibe ich aber in diesem Blog darüber? Das Besondere an diesem Buch ist der Abschnitt III.

Nachrichten wie die Forellen und Aeschen in dem Wissent-Flusse in Franken geangelt werden.

In der französischen Originalausgabe fehlt dieser Abschnitt. Daniel Gottfried Schreber hat dem Originalbuch einen Zusatz beigefügt. Er beschreibt die Fischerei an der mit „“. Eine sehr genaue Schilderung der Flugangelei und eine sehr genaue Beschreibung der Maifliegen. Diese Beobachtung gilt noch heute – genauso stellt sich im Bereich – Nankendorf das Aufkommen der Maifliege dar.

Ich werde Auszüge dieses Buches hier wiedergeben.

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische, die dadurch verschaffet werden, und die sowohl zum Unterhalte der Menschen, als zu vielen andern Arten von Gebrauche dienen, die sich auf die Künste und den Handel beziehen.

Von Herrn Duhamel du Monceau, und Herrn de la Marre.

Mit vielen Kupfertafeln.

In dieser Uebersetzung mit Anmerkungen herausgegeben von Daniel Gottfried Schreber, der Rechte Doctor, ordentlicher Lehrer der Cameralwissenschaften auf der Universität zu Leipzig, und Mitglied der Leipziger öconomischen Gesellschaft.

Leipzig und Königsberg,

bey Johann Jacob Kanter, 1773.

Abhandlung von den Fischereyen

III.

Nachricht

wie die Forellen und Aeschen in dem Wissent-Flusse in Franken geangelt werden.

Zum bessern Verstande dieser Fischerey ist zu bemerken, daß die Forellen (Salmo Fario L.) und Aeschen (Salmo Thymallus L.) zu ihrer Nahrung, nebst allerley kleinen Fischen u. verschiedene Insecten aus dem Geschlechte der Hafte (Ephemera L.) und Afterfalter (Phryganen L.), die man in obgedachter Gegend Schnaken zu nennen pflegt, lieben, welche theils stet, theils hüpfend auf dem Wasser herumflattern, auch oft (zumal wenn sie durch den Wind oder den Regen geworfen werden,) hineinfallen, und sich sodann nicht wieder heraus helfen können.

Diese Insecten fängt der Fisch allemal mit einem Sprunge, den er oft über eine halbe Elle hoch über das Wasser heraus macht. Wenn man nun dem Fische einen Körper von ähnlicher Gestalt und Farbe vorhält, so erschnappt er ihn ebenmäßig mit einem Sprunge. Und dieses ist der Grund der Fischerey, wovon hier die Rede ist, und die man deswegen auch die Sprungfischerey nennet.

Die Angel, dem die Mundart des Landvolkes auch den Namen Sprang oder Sprung beygelegt, wird an dem Eisen mit Fäden von der Farbe bewickelt, daß eine Aehnlichkeit des Leibes, und mit Federn von der Farbe maskiret, daß eine Gleichheit mit den Flügeln der Schnaken, welche den Forellen und Aeschen zur angenehmsten Nahrung dienen, herauskömmt.

Diese Gleichheit zu treffen, ist das Geheimniß, worauf das Glück bey dem Fange hauptsächlich beruhet. Der nicht nur mit vielen Annehmlichkeiten, sondern auch mit geringem Zeitverluste verbunden ist.

Wer die rechte Farbe der Fäden, (wozu auch schon die zu rechnen ist, welche die Pferdehaare haben müssen, und die von der Beschaffenheit seyn muß, daß der Fisch sie im Wasser wenig oder nicht gewahr wird,) und der Federn trifft, oder die letztern zu dick anlegt, oder endlich der ganzen Bekleidung des Angeleisens nicht die rechte Proportion zu geben geschickt ist, dem gehet es, der vielfältigen Erfahrung zu Folge, wie Petronius sagt: fine spe praedae moratur in scopulo (Übersetzt sinngemäß: ohne Aussicht auf Erfolg scheitert man an den Problemen).

Es geschiehet dieses Fischen 1) mit dem kleinen Sprunge, oder 2) mit dem großen Sprunge.

1. Mit dem kleinen Sprunge wird, außer im Winter, das ganze Jahr durch gefischet. Vom Anfange des Frühjahrs an bis in den Herbst, fliegen allerley Arten von….

Vom Anfange des Frühjahrs an bis in den Herbst, fliegen allerley Arten von….

Schnacken, davon einige Arten die Flügel in die Höhe halten (Ephemera L.), andere aber auf dem Rücken liegen lassen (Phryganea L.), welche die Forellen und Aeschen häufig als ihre Nahrung auffangen.

Unter denselben ist die im Monat April und May fliegende Aesch-Schnake (Phryganea bicadauta L.), so am Leibe schwarzbraun, und ihre schwärzlichten Flügel auf den Rücken leget,die vorzüglichste.

Nebst dem findet man eine rothbraune Sorte, und ein mit dergleichen Extremitäten an den Flügeln, welche ihnen fast eben so angenehm sind. Diese Schnaken sucht man mit dem kleinen Sprunge nachzumachen.

Außer denselben zeigen sich auch noch allerley kleine Schnaken von verschiedener Farbe, so aber nur von Aeschen und Weisfischen in Ermangelung der erstern aufgefangen werden.

II. Das große Sprungfischen dauert nur etliche Wochen, meistens vom Anfang des Monats Junius bis in die Mitte. Zu dieser Zeit ist eine doppelte Art größerer Schnaken sehr häufig auf dem Wasser schwimmend anzutreffen.

Die erste hat einen gelben Körper, ohngefehr so groß als ein mittlerer Mehlwurm, und weißgraue Flügel mit schwarzen Pünktchen und Adern, die er auf dem Rücken empor trägt. Wenn dieser beym Aufsetzen auf das Wasser es versieht, und einen Flügel oder wohl beyde ins Wasser bringt, so kann sie sich nicht mehr heraus helfen, es sey denn, daß sie etwas festes finde, da sie sich mit den Füßen helfen kann.

Wenn eine Forelle fehl springt, und die Schnacke das erstemal nicht erreicht, so wirft sie sie doch um, daß sie nicht mehr in die Höhe kann, und erwischt sie beym zweeten Sprunge desto sicherer.

Auch vom Regen werden die Schnacken häufig in das Wasser geschlagen, mithin auch währendem Regen häufiger von den Fischen aufgefangen. Uebrigens fliegen sie, wenn sie ohne diese Hinderung auf dem Wasser fort schwimmen können, zum öftern auf, und gehen weit, bis sie sich wieder auf das Wasser setzen.

Die zwote Art (Ephemera vulgata L.) ist jener in der Größe und Gestalt ziemlich gleich, nur ist der Leib etwas bleicher und ihre Flügel haben, statt der schwarzen Adern, rothe. Diese schwimmt….

Diese schwimmt nicht stets auf dem Wasser, sondern hüpft auf und nieder, und kann von keinem Fische erwischt werden, als bis sie fehl springt und liegen bleibt.

Hierzu kömmt noch eine dritte Art, die die größte unter diesen dreyen ist; wobey zugleich anzumerken nicht überflüßig seyn wird, daß, da die zwo vorigen fast durchgehends einerley Größe haben, diese letztere hingegen der Größe nach recht viel unterschieden gefunden wird, so nämlich, daß einige groß, andere um die Hälfte kleiner sind.

Der Leib ist nicht so lang, als bey den vorigen, aber viel dicker, sie hat auch einen dickern Kopf; die rothen Flügel bedecken nicht nur den Leib, sondern ragen noch drüber weg.

Man siehet diese Schnaken sehr wenig fliegen, aber desto häufiger findet man sie an den Weidensträuchern nächst an Bächen sitzen; daher ich öfters, ehe ich einen District mit den Angel überfischet, die Weiden abgeklopft und dadurch viele ins Wasser geworfen haben, welches verursacht, daß die in diesen District befindlichen Forellen, solche begierig aufgefressen, und hernach die Angel um so lieber aufgenommen haben.

Diese Schnake liebt die Forelle unter allen am meisten.

Beschreibung der Angel.

Die zu dieser Fischerey gehörige Angel besteht, wie gewöhnlich, aus einer Ruthe und Schnure, welche letztere man halb von Zwirne und halb von Pferdehaaren macht; doch so, daß die untere Hälfte zwey Enden bekömmt, wovon das obere kürzere der Hüpfer, das untere längere aber der Schleifer genennet wird.

Die Fischangel zum kleinen Sprunge: Man nimmt weiße Pferdehaare, (kann man etwas graulichte haben, so sind solche viel besser,) von einem Wallachen oder Hengst-Pferde, bindet 8 Haare von gleicher Länge mit einem Knoten zusammen, theilt solche, daß vier und vier Fäden beysammen kommen, und drehet sie sodann durch die Finger zusammen. Dergleichen Stücke Schnure macht man zwey, und wann sie fertig, wird das eine Stück Schnure an das andere unter der Spitze desselben so gebunden, daß, wie gedacht, das lange Ende dieses untersten Stücks den Schleifer, und das kurze den Hüpfer ausmachet.

An diese zwo Enden des untersten Stücks der pferdehärnen Schnure, werden die kleinen Eisen also befestiget: Man nimmt die Schnure, steckt einmal durch, als wenn man einen einfachen Knoten machen wollte, ehe man aber ganz zuziehet, so wird das Angeleisen hineingesteckt; jedoch so, daß die Schnure an der einen Seite des Eisens hervor geht.

Wenn dieses geschehen, nimmt man ein Haar von gebrechtem Hanf oder Flachs, so noch ungesponnen, (gelblichter ist besser als der graue,) macht solches etwas naß, daß sichs nicht faset, und umwickelt das Eisen und die pferdehärene Schnure mit dem Knoten, vom Ende des Eisens an bis in die Mitte oder bis zur halben Krümme, dann von da wieder zurück bis an das Ende, wo es gebunden wird.

Die Umwickelung geschiehet bey jeder Angel, theils das Eisen fest zu binden, theils der Schnake Bauch oder Körper zu bilden, daher wenn die Schnake dick, auch die Umwickelung darnach eingerichtet wird.

Dabey ist aber allemal genau zu merken, daß es lieber zu dünne als zu dicke geschehe, weil im Wasser ohnehin, sowohl der Hanf als die Seide quillt.

Da nun verschiedene Schnaken am Leibe die Farbe des Hanfes haben, so umwickelt man solche, wenn man diese vorstellen will, nicht weiter; da hingegen andere Schnaken am Leibe gelb oder braun sind, so gebraucht man hierzu dergleichen Seide, nämlich gelbe und braune, und umwickelt das Eisen so damit, daß jedemal ein Ringlein vom Hanfe durchsiehet: ist solches geschehen, so wird diese Seide wieder am Ende gebunden.

Endlich wird die den Schnakenflügeln ähnliche Feder angemacht.

Zum kleinen Sprunge sind die gebräuchlichsten und besten das ganze Fischjahr hindurch, die Federn von einem rothen Hahne, so vorne am Kropfe und hinten auf beyden Hüften befindlich ist. Diese werden von unten gegen die Spitze so weit abgestrüpft, als nöthig ist; alsdenn wird die Spitze auf das Eisen gehalten, und die Federn herum gewickelt, daß der Busch in die Höhe steht, und sodann gebunden; das übrige aber, was gegen die Schnure überflußig, oder unnöthig ist, abgeschnitten.

Zu dem so genannten Aesch-Schnaken insonderheit, wird die Feder vom Feld- oder Rebhahne, so ebenfalls vorne am Kropfe und hinten auf den Hüften steht, gebraucht, das Eisen aber wird auf vorbeschriebene Art, diesen Schnaken ähnlich, mit brauner Seide umwickelt, und auch mit brauner Seide die beyden Enden der Federn gebunden, da andere nur mit Hanf alleine umwickelt und gebunden werden.

Bey dieser Angel zum kleinen Sprunge ist hauptsächlich zu beobachten, daß der Hüpfer rothe, und der Schleifer die Feldhuhn-Federn haben muß.

Bey der zwoten Angel zum kleinen Sprunge ist, so wie die Schnaken einander ablösen, sowohl das Eisen als auch die Feder zu verändern, und hier thut die Schuhufeder vollkommene Dienste, bey deren Gebrauch die Feldhuhn-Feder weggelassen wird.

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library (biodiversitylibrary.org)
Titel-Abb.: Die Wiesent in Nankendorf im Mai 2018 – Quelle: Johannes Sebald

2. Zum großen Sprunge werden, weil die Schnaken größer sind, auch größere Eisen erfordert, auch die Schnure um vier Pferdehaare verdickert, weil die Fische zu der Zeit, wenn man diese gebraucht, am begierigsten sind, und die größten Forellen anbeißen. Die Umwickelung aber geschiehet auf obbeschriebene Art, nach Verhältniß der Schnaken.

Zur erstern Art der zum großen Sprung gehörigen Schnaken, werden die Federn eines wilden, auch allenfalls eines zahmen dem wilden ähnlichen Ent-Vogels, oder Antrachs, erfordert, die auf dem Kropfe und unten am Leibe wachsen. Diese werden, wenn das Eisen auf die angezeigte Art mit bleichgelber Seide umwickelt ist, angemacht. Doch ehe solches geschiehet, wird eine grünlichte Feder von einem Grünspecht oder Finken, um das Eisen und die Entenfeder hernach gewickelt, und mit gleicher Seide gebunden.

Zur großen rothen Forellen-Schnake, werden ganz alleine die Schuhufedern, so an dessen Körper fast überall, doch auf der Brust am meisten wachsen, genommen. Die Umwickelung des Eisens geschiehet von einigen nur mit Hanf alleine, von einigen zugleich mit Seide.

Ich habe Seide genommen, wenn ich rechte bleichgelbe gehabt, in deren Ermangelung aber auch mit Hanf die schönsten Forellen gefangen.

Bey dieser wird meistens die Schuhufeder zum Hüpfer und die Entenfeder zum Schleifer gebraucht.

Noch ist zu bemerken, wie solche an die Angelruthe angemacht werden.

Die Angelruthe wird entweder von Haseln, oder von einer schlanken Birke geschnitten, beym Abschneiden bis ohngefehr anderthalb Schuh lang abgeschält, an der Spitze, so weit als solche zu haben, und wann sie auch nur die Dicke eines starken Strohhalms hätte, angebunden, und in die Sonne oder an die Luft gehängt, damit sie trocknet und leicht wird, so daß man solche mit einer Hand leicht regieren könne.

Je länger man Sie haben kann, desto besser ist sie bey großen Bächen, weil man desto weiter, der Breite nach, reichen kann. Kann man Sie aber nicht aus einem Stücke groß genug erhalten, so wird Sie gepelzt, daß ist, aus zweyen in der Mitte genau zusammen gebundenen Stücken zusammengesetzt.

Die untere Hälfte der Angelschnure ist obbeschriebener Maßen von Pferdehaaren; die obere Hälfte wird von gutem Zwirne, jedoch nicht zu dicke, gemacht. Die Länge der ganzen Schnure, beyde Hälften zusammen gerechnet, muß so eingerichtet werden, daß der Schleifer an der Angel mit der Ruthe gleich kömmt, und Ruthe und Schnure gleiche Länge erhält.

Die obere Hälfte der Schnure wird an der äußersten Spitze angemacht, und Schlangenweise die Ruthe von oben herab bis zum dritten Theile umwickelt, alsdenn festgebunden, damit, wenn ohngefehr beym Anfange des Fisches vergessen würde, die Ruthe ins Wasser zu tauchen, und solche an der Spitze brechen möchte, die Angel nicht mit dem gefangenen Fische verloren gehe.

Beym Fischen ist anzumerken, daß man mit dem kleinen Sprunge nur an solchen Orten des Wassers fische, wo es schnell, ja am schnellsten fließet; außerdem aber man nur an schattichten Orten, aber wo das Wasser etwas trübe ist, oder auch wo es kleine Wellen wirft, die die Oberfläche in etwas verdunkeln, sein Glück machen kann; dagegen man mit dem großen Sprunge keinen Ort vorbey zu gehen Ursache hat.

Eben so ist, in Ansehung der zum Fischen bequemsten Tageszeit, anzumerken, daß der kleine Sprung hauptsächlich des Abends und Morgens, der große aber den ganzen Tag über zu gebrauchen sey.

Das Fischen geschiehet also, daß man am Ufer in die Mitte des Bachs mit der Angel gegen den Fluß fährt, und die Angel so sanft als möglich auf das Wasser fallen lässet, hernach selbige herabwärts gegen das Ufer dergestalt ziehet, daß der Hüpfer, gleich einer Schnake halb in, und halb auf dem Wasser gehet.

Wenn nun ein Fisch anbeißet, oder öfters zum Erschrecken des Fischenden mit dem größten Ungestüm an die Angel kömmt, so muß man zwar sogleich anziehen, aber nicht aus allen Kräften schnellen; in welchem Falle sonst, zumal bey der Forelle, das Eisen zurück bleibt, und nebst dem Fische verlohren, oder Hauses hoch in die Höhe geworfen wird.

Beißt aber eine Forelle an, die stark und anderthalb bis 2 Pfund schwer ist, so ist solche erst im Wasser mit stetem anziehen und herumführen abzumatten, und hernach am Ufer herauszuschleifen.

Geschiehet es aber, daß der Fisch nach der Angel fehl springt, und man gleichwohl glaubt, daß er gefangen sey, so wirft man nur die Angel gegen den nämlichen Flecken wieder hin, und zieht sie alsdenn wieder herwärts nach sich zu.

So lange der Fisch nicht verletzt ist, kömmt er gewiß wieder. Wird er aber verlettzet, wie es sehr oft geschiehet, so glaube man dem Ovidius:

Qui semel est laesus fallaci piscis ab hamo
Omnibus unca cibis aera subesse putat.

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library (biodiversitylibrary.org)

Sinngemäße Übersetzung: Der Fisch, der einmal vom trügerischen Haken verletzt worden ist, meint, unter allen Speisen sei gekrümmtes Metall

Noch ist folgendes hierbey zu gedenken:

1) Die Angelruthe wird gemeiniglich 16 bis 18 Schuh lang genommen; welches sich aber nach der Breite der Flüsse, wo man angeln will, richtet. Je spitziger und zügiger sie ist, desto besser ist sie.

2) Der Hüpfer und Schleifer zusammengenommen, heißen die Zwiesel. Das längere Theil der Zwiesel ist der Schleifer, das kürzere der Hüpfer.

3) Wenn in die Zeit des Fischens mit dem großen Sprunge rauhes Wetter einfällt, so lassen sich die zu solcher Zeit fliegenden Schnaken nicht sehen, und es ist alsdenn auch mit der Fischerey kein großes Glück zu machen.

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library (biodiversitylibrary.org)
Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773
Figuren der XXIsten Kupfertafel

Fig.

1. Ein Angeleisen zum kleinen Sprunge, bloß von der Seite.

2. Ein dergleichen, woran zu sehen, wie die pferdehärne Schnure gemacht wird.

3. Ein dergleichen von vorn.

4. Ein dergleichen mit den darum gewickelten Federn.

5. Ein Angeleisen zum großen Sprunge.

6. Dasselbe mit den Federn.

7. Das untere Stück der Angelschnure nebst den Eisen.

a, b, c die untere Hälfte, an derenbeyden Enden die Angeleisen befestigt sind.

b, d die obere Hälfte, (so nicht ganz auf das Blatt gegangen, welche bey b an die untere angeknüpfet ist, und mit d an die zwirnene Schnure angebunden wird.

Die mir zugleich überschickten Originalstücke von Angeln, Schnuren, Federn und angemachten künstlichen Insecten, geben die Sache aufs allerdeutlichste zu erkennen. Die Insecten sind den natürlichen so gut nachgemacht, als die engländischen, ohne diese von den Engländern erlernet zu haben. D.S.

Liebe Blog-Leser, vielleicht geht es Ihnen genau wie mir. Ich bin Daniel Gottfried Schreber sehr dankbar, dass er die Beobachtungen der Insekten und der Fischerei an der Wiesent niedergeschrieben hat. An mancher Stelle habe ich mich fast geärgert, dass ich diesen Bericht erst jetzt gefunden habe, denn insbesondere die Beschreibungen der Maifliegenzeit und der Muster gilt bis heute an. Sicherlich hat sich der Fischereistil geändert, aber eines bleibt, ohne Beobachtung der Natur ist es zur Maifliegenzeit nur sehr schwer möglich die scheuen Fische zu überlisten, oder mit den Worten von Daniel Gottfried Schreber:

ist alsdenn auch mit der Fischerey kein großes Glück zu machen.

Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische – Biodiversity Heritage Library (biodiversitylibrary.org)

Ich möchte mich bei den Lesern für die Geduld bedanken, aber so eine mehrteilige Arbeit benötigt etwas Zeit. Insbesondere Danke ich “dem fliegenfischenden Freund und Literaturprofessor” Prof. Dr. Frank Möbus für den Link zur Datenbank der Biodiversity Heritage Library. Suchen Sie dort einmal, es gibt zahlreiche Treffer rund um unsere Passion, dem .

Neueste Beiträge

Neueste Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch! Das ist mal ein Grund zum Feiern. Es steckt schon eine große Menge Recherchearbeit hinter jedem einzelnen Artikel.…

Ein Kommentar

  1. Klaus Weber
    16. März 2010 12:51

    Sehr Interessanter Bericht, hoffe auf die Fortsetzung. Ich glaube vor einigen Jahren hat die Zeitschrift Fliegenfischer darüber berichtet. Klaus Weber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.