Wie fremd ist den Städten das Brauchtum geworden. Nicht bloß der moderne Zeitgeist trägt die Schuld, sondern es fehlt der Rahmen für das lebendige Weben einer bodenständigen Welt, von der das Brauchtum umschlossen ist. Das Knistern im alten Gebälk des Wohnhauses, das Klirren der Ketten im Stall, das flatternde Geflügel mit dem leisen, nächtlichen Traumgesang.
Jeder Hof ist eine Welt für sich, jeder Hof eine Burg voll umsorgten Glücks. Er ist von einem Wall lauernden Unheils umgeben, das dem Besitz und allen Lebewesen darin droht. So ist es heute – so war es vor Jahrhunderten – solange eben das Bauerntum besteht. Die kraftvolle Heimatverbundenheit des Bauern mit Boden und Vieh, stand sehr im Naturgeschehen und im Anklammern an die mächtig schimmernde Gottheit.
Das geht bis ins Heidentum unserer Vorfahren zurück – beherrscht von rauher Willkür unholder Geister, wurde dann vom Mittelalter übernommen, wo gläubiges Vertrauen und hexenbesessener Aberglaube in arger Wirrnis lagen. Heute verflacht das Brauchtum in unserer neuen Zeit vor allem beim jungen Geschlecht, solange bis es in Vergessenheit gerät.
