Die Sage vom Hirschensprung

Nun möchte ich hier im zweiten Teil der Reihe “Sagen und Legen” die Sage vom Hirschensprung aus dem Buch “Sagen, Legenden und Geschichten aus der Fränkischen Schweiz”, erschienen im Verlag Palm & Enke, Erlangen von Heinz Büttner erzählen. Zuvor bedanke ich mich ausdrücklich für die freundliche Genehmigung bei Verlag und Autor für die Veröffentlichung.

Die Felsen südlich des Triumphbogen (Archivbild)

Vieles wurde erlauscht und nacherzählt, viele andere zusammengesucht aus der weit verstreuten und kaum verfügbaren Literatur, die teilweise bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Der mächtige abschließende Felsen links der Wiesent südlich des Triumphbogens hat den Namen Hirschensprung. Man erzählt:

Als im Umland mehr Wälder als kultiviertes Ackerland vorhanden waren und die Ritter und Burgherren das als ihre Jagdgründe ansahen, gab es auch viel Schmal- und Rotwild, viel wertvolles Pelzgetier, wie Luchs, Marder, Bär und Wolf. Auch sei das Schwarzwild nicht vergessen, das es in Mengen im großen Sumpfgebiet längsseits des Baches gab. War das ein Vergnügen zu jagen! Zu den großen Herbstjagden erschienen die Burgvettern und Schlossnachbarn mit Ross und Meute. Die armen Bauern mussten das Wild auftreiben und durften dabei ihre Felder nicht schonen. Bei einer solchen Hatz tauchte in den tiefen Wäldern um Löhlitz ein mächtiger Hirsch auf, der ein riesiges Geweih trug. Das reizte die Jagdleidenschaft aufs höchste. Mit johlendem Horido stürzte alles mit Hund und Ross dem erschreckt flüchtenden Tiere nach. Von allen Seiten engte man den Fluchtweg des Hirsches ein, so dass das edle Wild zum Wald und Bergsaum gedrängt wurde. Todesangst im Geäuge, den Kopf weit zurückgelegt, dass das riesige Geweih fast auf dem Rücken lag, jagte der Hirsch dem jähen Felsvorsprung zu.

Jetzt glaubten die Jäger, ihrer Beute sicher zu sein. Lebendig sollte das Prachtwild gefangen werden. Die Bogen wurden gespannt, die Fangseile schwangen und schwangen von allen Seiten. Da! Ein Satz gewaltig und kühn, und in herrlicher Wildheit flog der Hirsch hinaus über die Felsenwand in die freie Luft. Jaulend zitterte die Meute der Hunde vor Jagdfieber. Voll Zorn und Bewunderung schauten die Jäger in die Tiefe. Hatte der Hirsch beim Sprung das Genick gebrochen? Waren seine Läufe zerschmettert? Da – man traut seinen Augen nicht! Drüben am jenseitigen Hang hetzte das Tier hinauf, wie ein Spuk war es verschwunden. Niemand dachte in diesem dramatischen Augenblick an Pfeil und Bogen.

Dumm schauten die Reiter. Sollten sie einen Trollhirsch gehetzt haben? Doch rasch stellte sich das Unglaubliche als natürlich heraus. Der Hirsch war in seiner Todesangst mit angezogenen Läufen in die Wiesent gesprungen, ließ sich ein Stück abwärts treiben, gewann das jenseitige Ufer, preschte in wilder Daseinsfreude die jenseitige Höhe empor und verschwand dort in den Wäldern. Die Götter hatten ihrer verfolgten Kreatur geholfen.

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