Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773 – Teil 5

Dieser Beitrag stammt von unserem ehemaligen Gastautor Ralf Holzhäuser und ist die Fortsetzung des Artikels:

2 . Zum großen Sprunge werden, weil die Schnaken größer sind, auch größere Eisen erfordert, auch die Schnure um vier Pferdehaare verdickert, weil die Fische zu der Zeit, wenn man diese gebraucht, am begierigsten sind, und die größten Forellen anbeißen. Die Umwickelung aber geschiehet auf obbeschriebene Art, nach Verhältniß der Schnaken.

Zur erstern Art der zum großen Sprung gehörigen Schnaken, werden die Federn eines wilden, auch allenfalls eines zahmen dem wilden ähnlichen Ent-Vogels, oder Antrachs, erfordert, die auf dem Kropfe und unten am Leibe wachsen. Diese werden, wenn das Eisen auf die angezeigte Art mit bleichgelber Seide umwickelt ist, angemacht. Doch ehe solches geschiehet, wird eine grünlichte Feder von einem Grünspecht oder Finken, um das Eisen und die Entenfeder hernach gewickelt, und mit gleicher Seide gebunden.

Zur großen rothen Forellen-Schnake, werden ganz alleine die Schuhufedern, so an dessen Körper fast überall, doch auf der Brust am meisten wachsen, genommen. Die Umwickelung des Eisens geschiehet von einigen nur mit Hanf alleine, von einigen zugleich mit Seide.

Ich habe Seide genommen, wenn ich rechte bleichgelbe gehabt, in deren Ermangelung aber auch mit Hanf die schönsten Forellen gefangen.

Bey dieser wird meistens die Schuhufeder zum Hüpfer und die Entenfeder zum Schleifer gebraucht.

Noch ist zu bemerken, wie solche an die Angelruthe angemacht werden.

Die Angelruthe wird entweder von Haseln, oder von einer schlanken Birke geschnitten, beym Abschneiden bis ohngefehr anderthalb Schuh lang abgeschält, an der Spitze, so weit als solche zu haben, und wann sie auch nur die Dicke eines starken Strohhalms hätte, angebunden, und in die Sonne oder an die Luft gehängt, damit sie trocknet und leicht wird, so daß man solche mit einer Hand leicht regieren könne.

Je länger man Sie haben kann, desto besser ist sie bey großen Bächen, weil man desto weiter, der Breite nach, reichen kann. Kann man Sie aber nicht aus einem Stücke groß genug erhalten, so wird Sie gepelzt, daß ist, aus zweyen in der Mitte genau zusammen gebundenen Stücken zusammengesetzt.

Die untere Hälfte der Angelschnure ist obbeschriebener Maßen von Pferdehaaren; die obere Hälfte wird von gutem Zwirne, jedoch nicht zu dicke, gemacht. Die Länge der ganzen Schnure, beyde Hälften zusammen gerechnet, muß so eingerichtet werden, daß der Schleifer an der Angel mit der Ruthe gleich kömmt, und Ruthe und Schnure gleiche Länge erhält.

Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773

Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773

Die obere Hälfte der Schnure wird an der äußersten Spitze angemacht, und Schlangenweise die Ruthe von oben herab bis zum dritten Theile umwickelt, alsdenn festgebunden, damit, wenn ohngefehr beym Anfange des Fisches vergessen würde, die Ruthe ins Wasser zu tauchen, und solche an der Spitze brechen möchte, die Angel nicht mit dem gefangenen Fische verloren gehe.

Beym Fischen ist anzumerken, daß man mit dem kleinen Sprunge nur an solchen Orten des Wassers fische, wo es schnell, ja am schnellsten fließet; außerdem aber man nur an schattichten Orten, aber wo das Wasser etwas trübe ist, oder auch wo es kleine Wellen wirft, die die Oberfläche in etwas verdunkeln, sein Glück machen kann; dagegen man mit dem großen Sprunge keinen Ort vorbey zu gehen Ursache hat.

Eben so ist, in Ansehung der zum Fischen bequemsten Tageszeit, anzumerken, daß der kleine Sprung hauptsächlich des Abends und Morgens, der große aber den ganzen Tag über zu gebrauchen sey.

Das Fischen geschiehet also, daß man am Ufer in die Mitte des Bachs mit der Angel gegen den Fluß fährt, und die Angel so sanft als möglich auf das Wasser fallen lässet, hernach selbige herabwärts gegen das Ufer dergestalt ziehet, daß der Hüpfer, gleich einer Schnake halb in, und halb auf dem Wasser gehet.

Wenn nun ein Fisch anbeißet, oder öfters zum Erschrecken des Fischenden mit dem größten Ungestüm an die Angel kömmt, so muß man zwar sogleich anziehen, aber nicht aus allen Kräften schnellen; in welchem Falle sonst, zumal bey der Forelle, das Eisen zurück bleibt, und nebst dem Fische verlohren, oder Hauses hoch in die Höhe geworfen wird.

Beißt aber eine Forelle an, die stark und anderthalb bis 2 Pfund schwer ist, so ist solche erst im Wasser mit stetem anziehen und herumführen abzumatten, und hernach am Ufer herauszuschleifen.

Geschiehet es aber, daß der Fisch nach der Angel fehl springt, und man gleichwohl glaubt, daß er gefangen sey, so wirft man nur die Angel gegen den nämlichen Flecken wieder hin, und zieht sie alsdenn wieder herwärts nach sich zu.

So lange der Fisch nicht verletzt ist, kömmt er gewiß wieder. Wird er aber verlettzet, wie es sehr oft geschiehet, so glaube man dem Ovidius:

Qui semel est laesus fallaci piscis ab hamo
Omnibus unca cibis aera subesse putat.

(Sinngemäße Übersetzung durch den Autor des Blogs: Der Fisch, der einmal vom trügerischen Haken verletzt worden ist, meint, unter allen Speisen sei gekrümmtes Metall)

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Ein Kommentar

Hallo Ralf, ich habe schon auf den nächsten Beitrag gewartet. Vielen Dank dafür. Ich bin ein begeisterter Fan dieser Serie. Gruß Mark


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