Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773 – Teil 4

Dieser Beitrag stammt von unserem ehemaligen Gastautor Ralf Holzhäuser und ist die Fortsetzung des Artikels:

Diese schwimmt nicht stets auf dem Wasser, sondern hüpft auf und nieder, und kann von keinem Fische erwischt werden, als bis sie fehl springt und liegen bleibt.

Hierzu kömmt noch eine dritte Art, die die größte unter diesen dreyen ist; wobey zugleich anzumerken nicht überflüßig seyn wird, daß, da die zwo vorigen fast durchgehends einerley Größe haben, diese letztere hingegen der Größe nach recht viel unterschieden gefunden wird, so nämlich, daß einige groß, andere um die Hälfte kleiner sind.

Der Leib ist nicht so lang, als bey den vorigen, aber viel dicker, sie hat auch einen dickern Kopf; die rothen Flügel bedecken nicht nur den Leib, sondern ragen noch drüber weg.

Man siehet diese Schnaken sehr wenig fliegen, aber desto häufiger findet man sie an den Weidensträuchern nächst an Bächen sitzen; daher ich öfters, ehe ich einen District mit den Angel überfischet, die Weiden abgeklopft und dadurch viele ins Wasser geworfen haben, welches verursacht, daß die in diesen District befindlichen Forellen, solche begierig aufgefressen, und hernach die Angel um so lieber aufgenommen haben.

Diese Schnake liebt die Forelle unter allen am meisten.

Beschreibung der Angel.

Die zu dieser Fischerey gehörige Angel besteht, wie gewöhnlich, aus einer Ruthe und Schnure, welche letztere man halb von Zwirne und halb von Pferdehaaren macht; doch so, daß die untere Hälfte zwey Enden bekömmt, wovon das obere kürzere der Hüpfer, das untere längere aber der Schleifer genennet wird.

Die Fischangel zum kleinen Sprunge: Man nimmt weiße Pferdehaare, (kann man etwas graulichte haben, so sind solche viel besser,) von einem Wallachen oder Hengst-Pferde, bindet 8 Haare von gleicher Länge mit einem Knoten zusammen, theilt solche, daß vier und vier Fäden beysammen kommen, und drehet sie sodann durch die Finger zusammen. Dergleichen Stücke Schnure macht man zwey, und wann sie fertig, wird das eine Stück Schnure an das andere unter der Spitze desselben so gebunden, daß, wie gedacht, das lange Ende dieses untersten Stücks den Schleifer, und das kurze den Hüpfer ausmachet.

Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773

Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773

An diese zwo Enden des untersten Stücks der pferdehärnen Schnure, werden die kleinen Eisen also befestiget: Man nimmt die Schnure, steckt einmal durch, als wenn man einen einfachen Knoten machen wollte, ehe man aber ganz zuziehet, so wird das Angeleisen hineingesteckt; jedoch so, daß die Schnure an der einen Seite des Eisens hervor geht.

Wenn dieses geschehen, nimmt man ein Haar von gebrechtem Hanf oder Flachs, so noch ungesponnen, (gelblichter ist besser als der graue,) macht solches etwas naß, daß sichs nicht faset, und umwickelt das Eisen und die pferdehärene Schnure mit dem Knoten, vom Ende des Eisens an bis in die Mitte oder bis zur halben Krümme, dann von da wieder zurück bis an das Ende, wo es gebunden wird.

Die Umwickelung geschiehet bey jeder Angel, theils das Eisen fest zu binden, theils der Schnake Bauch oder Körper zu bilden, daher wenn die Schnake dick, auch die Umwickelung darnach eingerichtet wird.

Dabey ist aber allemal genau zu merken, daß es lieber zu dünne als zu dicke geschehe, weil im Wasser ohnehin, sowohl der Hanf als die Seide quillt.

Da nun verschiedene Schnaken am Leibe die Farbe des Hanfes haben, so umwickelt man solche, wenn man diese vorstellen will, nicht weiter; da hingegen andere Schnaken am Leibe gelb oder braun sind, so gebraucht man hierzu dergleichen Seide, nämlich gelbe und braune, und umwickelt das Eisen so damit, daß jedemal ein Ringlein vom Hanfe durchsiehet: ist solches geschehen, so wird diese Seide wieder am Ende gebunden.

Endlich wird die den Schnakenflügeln ähnliche Feder angemacht.

Zum kleinen Sprunge sind die gebräuchlichsten und besten das ganze Fischjahr hindurch, die Federn von einem rothen Hahne, so vorne am Kropfe und hinten auf beyden Hüften befindlich ist. Diese werden von unten gegen die Spitze so weit abgestrüpft, als nöthig ist; alsdenn wird die Spitze auf das Eisen gehalten, und die Federn herum gewickelt, daß der Busch in die Höhe steht, und sodann gebunden; das übrige aber, was gegen die Schnure überflußig, oder unnöthig ist, abgeschnitten.

Zu dem so genannten Aesch-Schnaken insonderheit, wird die Feder vom Feld- oder Rebhahne, so ebenfalls vorne am Kropfe und hinten auf den Hüften steht, gebraucht, das Eisen aber wird auf vorbeschriebene Art, diesen Schnaken ähnlich, mit brauner Seide umwickelt, und auch mit brauner Seide die beyden Enden der Federn gebunden, da andere nur mit Hanf alleine umwickelt und gebunden werden.

Bey dieser Angel zum kleinen Sprunge ist hauptsächlich zu beobachten, daß der Hüpfer rothe, und der Schleifer die Feldhuhn-Federn haben muß.

Bey der zwoten Angel zum kleinen Sprunge ist, so wie die Schnaken einander ablösen, sowohl das Eisen als auch die Feder zu verändern, und hier thut die Schuhufeder vollkommene Dienste, bey deren Gebrauch die Feldhuhn-Feder weggelassen wird.

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