Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773 – Teil 2

Dieser Beitrag stammt von unserem ehemaligen Gastautor Ralf Holzhäuser und ist die Fortsetzung des Artikels:

Abhandlung von den Fischereyen

III.

Nachricht

wie die Forellen und Aeschen in dem Wissent-Flusse in Franken geangelt werden.

Zum bessern Verstande dieser Fischerey ist zu bemerken, daß die Forellen (Salmo Fario L.) und Aeschen (Salmo Thymallus L.) zu ihrer Nahrung, nebst allerley kleinen Fischen u. verschiedene Insecten aus dem Geschlechte der Hafte (Ephemera L.) und Afterfalter (Phryganen L.), die man in obgedachter Gegend Schnaken zu nennen pflegt, lieben, welche theils stet, theils hüpfend auf dem Wasser herumflattern, auch oft (zumal wenn sie durch den Wind oder den Regen geworfen werden,) hineinfallen, und sich sodann nicht wieder heraus helfen können.

Diese Insecten fängt der Fisch allemal mit einem Sprunge, den er oft über eine halbe Elle hoch über das Wasser heraus macht. Wenn man nun dem Fische einen Körper von ähnlicher Gestalt und Farbe vorhält, so erschnappt er ihn ebenmäßig mit einem Sprunge. Und dieses ist der Grund der Fischerey, wovon hier die Rede ist, und die man deswegen auch die Sprungfischerey nennet.

Die Angel, dem die Mundart des Landvolkes auch den Namen Sprang oder Sprung beygelegt, wird an dem Eisen mit Fäden von der Farbe bewickelt, daß eine Aehnlichkeit des Leibes, und mit Federn von der Farbe maskiret, daß eine Gleichheit mit den Flügeln der Schnaken, welche den Forellen und Aeschen zur angenehmsten Nahrung dienen, herauskömmt.

Diese Gleichheit zu treffen, ist das Geheimniß, worauf das Glück bey dem Fange hauptsächlich beruhet. Der nicht nur mit vielen Annehmlichkeiten, sondern auch mit geringem Zeitverluste verbunden ist.

Fliegenfischen an der Wiesent im Jahr 1773

Wer die rechte Farbe der Fäden, (wozu auch schon die zu rechnen ist, welche die Pferdehaare haben müssen, und die von der Beschaffenheit seyn muß, daß der Fisch sie im Wasser wenig oder nicht gewahr wird,) und der Federn trifft, oder die letztern zu dick anlegt, oder endlich der ganzen Bekleidung des Angeleisens nicht die rechte Proportion zu geben geschickt ist, dem gehet es, der vielfältigen Erfahrung zu Folge, wie Petronius sagt: fine spe praedae moratur in scopulo (Übersetzt sinngemäß: ohne Aussicht auf Erfolg scheitert man an den Problemen).

Es geschiehet dieses Fischen 1) mit dem kleinen Sprunge, oder 2) mit dem großen Sprunge.

1. Mit dem kleinen Sprunge wird, außer im Winter, das ganze Jahr durch gefischet. Vom Anfange des Frühjahrs an bis in den Herbst, fliegen allerley Arten von….

Die Fortsetzung folgt im Teil 3.

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