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Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Nankendorf

15. Mai 2007 09:57 | Beitrag von Johannes Sebald |

Nun gibt es die Festschrift von Kurt Neuner zum 120jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Nankendorf aus dem Jahre 1983 auch online! In diesem umfangreichen Dokument geht es von der ersten Gründung der Feuerwehr bis heute:

Es würde viel zu weit führen, dem Thema vollkommen gerecht zu werden. In der Geschichte unserer Feuerwehr heben sich 3 Epochen klar hervor :

  1. Der Aufbau, das ist die langsame Entwicklung des dörflichen Feuerschutzes seit dem 17. Jahrhundert (ca. 1650)
  2. Die Revolution in der Überholung dieses Gedankens bis zur Geburtsstunde der heutigen Feuerwehr
  3. Ihre Entwicklung und ihr Ausbau bis zur Gegenwart

Das uralte Wappen Nankendorfs: Die Hellebarde mit den 2 seitlichen Haken ist kein ritterliches Hauswappen, sondern das dörfliche Schutzzeichen für Gefahr, nämlich die Lanze zur Abwehr gegen den Feind, die Reißhaken aber zur Hilfe bei Bränden. Um das Feuer nicht ausbreiten zu lassen wurden die brennenden Strohdächer zerrissen und die schweren Balken zum Einsturz gebracht.

Das Feuerwehrhaus

Den ältesten Brandschutz aber organisierte wohl die Kirchenstiftung Nankendorfs, wie aus alten Rechnungen der Jahrhundertwende um 1700 zu finden ist. Sie bestellte Nachtwächter, die das Dorf während der Christmette und in den langen Winternächten unter Feuerkontrolle stellten, denn nicht bloß die Kirche, das Dorfschulhaus und Badhaus (das, obwohl in der Sutte stehend, zweimal abbrannte), sondern andere verschiedene Stiftungs- und Lehensgütlein gehörten auch zum kirchlichen Besitz. Diese Einrichtung übernahm dann die Gemeinde, sie besoldete die Nachtwächter, die von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens ihre stündlichen Runden durch Hornruf in den bestimmten Dorfteilen nachweisen mußten. Die feuergefährliche Bauweise und das offene Licht waren meist Brandursachen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam die Errichtung der Feuermauer zwischen Wohnhaus und Scheune in Vorschrift, 1820 wurde das nächtliche Krapfenbacken zur Kirchweih verboten, 1839 durften Backofen und Streuschupfe nicht mehr beisammen stehen.

In den alten Protokollbeschlüssen um 1840 und aus vergilbtem Fundmaterial fanden sich Nachweise für das Vorhandensein allerdings nur primitivster Löschgeräte, wie zwei blecherne Handspritzen, zwei alte Feuerhaken, 4 Feuerleitern, Wachspieß und Wachhorn. Gerade in dieser Zeit stieg die Zahl der Wohnniederlassungen. Durch die talgegebene Bauenge mußten die Gehöfte noch näher zusammenrücken, was bei Feuerausbruch erhöhte Brandübergreifungsgefahr bedeutete. 66 % der Gebäude trugen Stroh- und Schindeldächer, die Dachböden angefüllt mit Feder- und Wollsäcken, Hopfen, Flachs und Getreide waren ein bäuerliches Warenlager.

Getragen durch diese Brandnotsorge entstand 1863 eine gut ausgearbeitete Feuerlöschordnung, das Geburtszeugnis der Feuerwehr Nankendorf. Unter Bürgermeister Walter in der Au wurde der Weber und Militärsmann Johann Berner, Haus-Nr. 24 erster Feuerwehrhauptmann. Seinem Kommando unterstanden 17 Steiger, 26 Spritzenleute und 14 Ordnungsleute.

Im Jahre 1875/76 wurde die heute noch erhaltene Löschmaschine angeschafft.

1876 Teilung der Feuerwehr in eine Pflicht- und Freiwillige Feuerwehr. 1886 wurde die freiwillige Feuerwehr in den Landesverband aufgenommen, unter dem Kommandanten Karl Sebald, Haus-Nr. 14.

1896 signierte die Feuerwehr mit eigenem Siegel, anstatt des bisherigen Gemeindesiegels. 1898 zählt das noch erhaltene Verzeichnis sämtliche Sparten auf: Vorstand, Hauptmann, Adjudant, Schriftführer, Obersteiger, Rohrführer, zwei Zugführer, Zeugwart, Hornist, Sanitätsleute und Ordnungsleute. Es war also ein voll durchorganisierter Verein.
In der darauffolgenden Zeit teilten sich Görl und Schatz die Hauptmannswürde bis 1903. Von da an übernahm Jakob Walter bis 1910 das Amt, danach bis 1934 war Johann Merz Kommandant. Die nächsten 5 Jahre übernahm sein Sohn Johann Paul Merz bis zu seiner Kriegseinberufung 1939 das Kommandantenamt. Währenddessen führte Konrad Walter von 1940 – 1951 die Feuerwehr und bis 1953 Joseph Ritter.

Von da an kam wieder der alte Kommandant, durch Wahl an die Leitung der Wehr. Johann Paul Merz, der seine Vaterlandstreue mit dem Verlust eines Unterarmes bezahlte. Mit "Herz und Seel" und großem Eifer ging er an den Neuaufbau, denn während des Krieges befand sich die Feuerwehr in einem kümmerlichen Zustand und führte ein Scheindasein. Denn die kräftigen Männer standen im Felde und kämpften für die Heimat. In dieser Zeit waren auch Frauen verpflichtet, im Notfall aktiv am Feuerwehrdienst teilzunehmen.

Gleich bei seiner Neuwahl bedrückten den neuen Kommandanten viele Sorgen, wie: Uniformfrage, Löschgerätebeschaffung, Aufrechterhaltung der Mitgliedschaften ehemaliger Feuerwehrleute und die aktive Bereitschaft der Wehr. Die Mitgliederzahl steig auf 30 Mann. Die folgenden Jahre wurden durch den stetigen Anstieg von Material und Leistungsbereitschaft geprägt.

Das Logo der Freiwilligen Feuerwehr Nankendorf

1953 – 21 Stahlhelme beschafft, Löschmaschine (Handlöscher) einsatzbereit gemacht.

1954 – offener Anhänger beschafft.

1955 – Armschilder – Schlauchreparatur – Übungsgroßeinsatz in Kaubersberg.

1956 – 80jähriges Gründungsfest mit Ehrungen -Anschaffung von Gebirgsmützen, Fang- und Rettungsleinen.

1959 – Erwägung um Anschaffung einer neuen Motorspritze, TS8 – 25 neuer gebrauchter Polizeituchröcke – Erhöhung der Feuerschutzabgabe.

1962 – Kauf einer Motorspritze TS8, neue Strahlrohre, Brecheisen Kübelspritze, Steiggurte und Uniformschrank.
Großeinsatz beim Werkstattbrand Hans Sponsel unter Mithilfe benachbarter Feuerwehren. Präzise Zusammenarbeit und vorbildliche Leitung des Kommandanten verhüteten nicht nur Bekämpfungsschäden, sondern verhinderten eine Brandübergreifung auf das Wohnhaus Josef Sponsel. Die neue Spritze bestand ihre erste Feuerprobe.

1965 – Großbrand der Werkstätte Georg Sponsel. Totaler Mitgliedereinsatz. Mit 5 Löschgeräten und 15 Strahlrohren versuchte man den furchtbaren Brand zu bekämpfen. Das Großlager, in dem Farben, Lacke und Treibstoffe lagerten, barg ein großes Risiko, zudem auch noch das Wohnhaus gleich daneben lag, Kommandant und Leute standen im vordersten, verantwortungsvollstem Einsatz. 24 Kameraden, die sich in nicht zu überbietendem Einsatz, die Gefahr nicht achtend, übertrafen, trugen Brand- und Schnittwunden davon. Zwei von ihnen standen sogar einige Wochen in ärztlicher Behandlung. Dieser Einsatz stellte der Feuerwehr ein herrliches Zeugnis für Pflichterfüliung und Verantwortungsgefühl aus.

1966 – wurde mit dem Bau eines neuen Gerätehauses begonnen. Mit Hilfe aller Mitglieder, besonders der Facharbeiter, konnte bereits am 16. 12. 1966 das Löschgerät im neuen Raum untergebracht werden.
Und hier beschließt die Ära des langjährigen Kommandanten Johann Paul Merz in seiner segensreichen Folge. Zum neuen Kommandanten wurde Hans Bischoff gewählt. Der neue Kommandant hatte verschiedene Schulungen bei der Feuerwehrschule Würzburg absolviert (Mittelstufe), er war bereits 1964 zum Brandmeister eingestuft worden. Wohl übernahm er eine gut ausgebaute und gut geführte Feuerwehr, doch auch die Zukunft wartete mit neuen Aufgaben auf. Die völlige Fertigstellung des Gerätehauses und der Bau eines Trockenturmes mußten durchgeführt werden. Kommandant Bischoff machte mit unermüdlichem Einsatz alle Mitglieder mobil, so daß auch diese Aufgaben bewältigt wurden. So konnte

1969 das Gerätehaus, der Trockenturm und eine neue Fahne eingeweiht werden.
Neben mehreren kleinen Brandfällen in unserer Gemeinde ist eine unheimliche Brandserie zu erwähnen:

16.02.1975 Scheunenbrand bei Robert Walter

10.04.1975 Großbrand Konrad Sebald. Scheune, Stallungen und Wirtschaftsräume fielen dem Feuer zum Opfer, Mühle und Haus konnten gerettet werden.

19.09.1975 Scheunenbrand Heinz Brehm.

14.10.1976 Großbrand Bäuerlein/Meidenbauer. Zwei Scheunen, landwirtschaftliche Geräte und Erntevorräte wurden vernichtet, zwei Wohngebäude konnten gerettet werden.
An dieser Stelle muß der Einsatz im Dienst am Nächsten und dessen Hab und Gut besonders hervorgehoben werden,

1979 wurde der Bau eines neuen größeren Gerätehauses beschlossen, da u.a. ein Löschfahrzeug in Aussicht gestellt wurde. Noch im gleichen Jahr wurde mit den Arbeiten begonnen. Durch die Mithilfe aller Feuerwehrleute und die Unterstützung der Stadt Waischenfeld, konnte das neue Gerätehaus zügig erstellt werden. Das schmucke Gebäude ist nicht nur eine Zierde des Dorfes, sondern ein Denkmal in Stein für gute Kameradschaft, dem jetzigen Geschlechte zur Ehre, dem nachfolgenden ein Vorbild für selbstlose Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr. Möge dieser gute Geist, der uns in all den Jahren begleitet hat, weiterleben und von der Jugend gern übernommen und fortgeführt werden.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 15. Mai 2007 um 09:57 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Freiwillige Feuerwehr, Vereine abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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