Wohl auf Grund der beglaubigten Zehentrechte nimmt v. Guttenberg an, daß die Kirche aus dem wahrscheinlichen Besitz des Königs an das Bistum Würzburq übergegangen sei. Die nächste sichere Nachricht über das Schicksal Nankendorfs steht im Bericht über die frommen Werke des hl. Otto, kurz nach seinem Tod (1139) in Bamberg zusammengestellt. Dort heißt es:
Pro barrochia, quae Namkendorf dicitur, fratribus de Sancto Gangolfo decem talenta dedit et eam episcopall ditioni donavit (= Für die Pfarrei, die Nankendorf heißt, gab er den Brüdern von St. Gangolf 10 Talente und schenkte sie an die bischöfliche Gewalt)
Diese Nachricht – die früheste Erwähnung als Pfarrei wie des Ortes überhaupt – läßt die Frage offen, wie die Pfarrei in den Besitz des um 1058 gegründeten Stifts St. Gangolf in der Theuerstadt vor Bamberg gelangt war.
Die Quellen- Überlieferung des Gangolf-Stifts gibt darüber keine Auskunft. Der unmittelbar benachbarte Besitz des Stifts in der Hollfelder Gegend ist indessen zweifellos eine Schenkung des edelfreien Geschlechts der Walpoten (v. Zwernitz). Das könnte vermuten lassen. daß auch die Pfarrei Nankendorf zu dieser Masse gehört habe; ob nun die Pfarrei aus der Hand des Königs oder des Würzburger Bischofs an die Walpoten oder ohne Einschaltung eines Zwischenbesitzers an St. Gangolf gediehen war, darüber läßt sich nichts Sicheres sagen.
Durch den hl. Otto in die unmittelbare Verfügungsgewalt des Bischofs von Bamberg gelangt, verblieb dort die Pfarrei bis zum 30. Dezember 1301. An diesem Tag stiftete sie der Bamberger Bischof Leupold I. v. Gründlach (1296 -1303) an das Domkapitel zur Gründung der Vikarie der Kurie zum hl. Laurentius (jetzt Domplatz 3,Finanzamt). Damit konnte die domkapitelisch gewordene Pfarrei Nankendorf in die Reihe der später sogenannten Oberpfarreien treten. Es handelt sich meistens um sehr alte und sehr ertragreiche Pfarreien, die jeweils ein adeliger Dom-Kapitular zu Bamberg als sog. Oberpfarrer innehatte, während die Seelsorge an Ort und Stelle durch einen Verweser (Unterpfarrer) ausgeübt wurde.
Zunächst war aber eine andere Regelung getroffen: Bischof Leupold hatte dem Domkapitel die Kirche mit allen wirtschaftlichen und rechtlichen Zugehörungen geschenkt, jedoch unbeschadet des Unterhaltes des in Nankendorf tätigen Seelsorgpriesters. Bedingung war, daß das Kapitel aus den Nankendorfer Kirchenerträgnissen dem Domvikar Friedrich Freysener jährliche Zuwendungen im Wert von 30 Pfund Heller als Benefizium gewähre; der Rest sollte jeweils am Jahrtag des Bischofs Leupold nach näherer Bestimmung an die Domherren verteilt werden. Der genannte Vikar und seine Nachfolger sollten täglich in der Kapelle der Laurentius-Kurie die Messe lesen und im Dom den Chor besuchen; der Domdekan habe jeweils nach Erledigung die Laurentius- Vikarie zu verleihen, das Domkapitel habe jeweils einen Pfarrvikar für Nankendorf zu präsentieren.
Die Pfarrer von Nankendorf in mittelalterlicher Zeit
Die Reihe der Nankendorfer Pfarrer während des Mittelalters ist nur mit riesigen Lücken zu erstellen. Der frühest faßbare ist Pfarrer Konrad von Nankendorf, der zusammen mit den Pfarrern von Kirchehrenbach, Pretzfeld und Hollfeld in einer Urkunde von 1168 über eine Kilianskirche in Halagestadt (wohl Heiligenstadt) als Zeuge genannt wird. Der nächste Name ist bereits jener des uns schon bekannten Domvikars Friedrich Freysener oder Friesener im Jahr 1301, der aber wegen seiner täglichen Verpflichtungen als Laurentius-Vikar in Bamberg kaum in Nankendorf selbst tätig war. Dann begegnet im Jahr 1307 Herr Eckhart, Pfarrer zu Nankendorf, der im Burgvertrag des Konrad v. Schlüsselberg – WaischenfeId mit den Großen v. Rabenstein an der Spitze der Zeugenreihe steht; Wachter gibt in seinem Generalpersonalschematismus an, Eckhart werde auch Vikar genannt (was sich ebensowohl auf die Laurentius-Vikarie in Bamberg wie auf die Pfarrverwesung in Nankendorf beziehen könnte). Die Verbindung mit den in Waischenfeld residierenden Edelherren v. Schlüsselberg scheint in jener Zeit sehr eng gewesen zu sein. Die Schlüsselberger haben die Nankendorfer Kirche als die für ihren Hauptsitz Waischenfeld zuständige Pfarrkirche auch mit Stiftungen bedacht. So steht z.B. das am 22. Mai 1308 ausgefertigte Testament des Gottfried v. Schlüsselberg Legate vor für die Kirchen und Kapellen des Schlüsselberqer Einflußbereichs: Gozwinstein (Gößweinstein), Mutichindorff (Muggendorf), Ebirmanstadt (Ebermannstadt), Bretvelt (Pretzfeld), Lankindorf (Nankendorf), Ekkolshem (Eggolßheim), Amlungstat (Amlinqstadt), Butenhem (Buttenheim), Susilingen (Seusling), Senftinberq (Senftenberg bei Eggolsheim), Haladerf (Hallerndorf, Ottasdorf (Adelsdorf an der Aisch); jedes dieser Gotteshäuser sollte zwei Pfund Heller (d. h. 480 Heller) zugewendet erhalten.
Es wird auf den Schlüsselberger Einfluß zurückzuführen sein, daß gelegentlich Söhne von Schlüsselberger Dienstrittergeschlechtern Pfarrer in Nankenderf wurden. Der für das Jahr 1313 genannte Pfarrer Ulrich von Nankendort dürfte personengleich sein mit jenem Ulrich v. Rüssenbach, den Schleglers Pfarrchronik für das gleiche Jahr als Pfarrer von Nankendorf nennt; die v. Rüssenbach saßen bis kurz vor 1600 als Ministerialen zu Waischenfeld auf jener Nebenburg, deren letzter Res der Rundturm Steinerner Beutel ist. Ein weiterer Ulrich v. Rüssenbach war 1400 Pfarrer zu Nankendorf und merkwürdigerweise zugleich Amtmann auf Schloß Giech und Gügel. Die gleiche seltsame Kombination begegnet bei seinem wohl unmittelbaren Nachfolger Lutinus (auch: Leutin, Leutein oder Leutwein) Gengenbach, der 1402 als Pfarrer in Nankendort und bischöflicher Sekretär 1406 als Pfarrer zu Nankendorf und Pfleger zu Giech genannt ist (später Pfarrer zu St. Martin in Bamberg und Stiftsherr bei St. Stephan. Leutein Gengenbach Ist für fünf Jahrhunderte der letzte in der Reihe derer, die einfach als Pfarrer zu Nankendorf bezeichnet werden. In der Folgezeit begegnen auf der höheren Ebene die Bezeichnungen Oberpfarrer zu Nankendorf und Waischenfeld, auf der unteren Ebene einfach Pfarrer zu Weischenfeld. Damit aber gelangen wir bereits zum Problem der vielfach sogenannten "Umkehrunq des Filialverhältnisses" zwischen der Urpfarrei Nankendorf und der jungen Stadtpfarrei Waischenfeld.
Die Ausgliederung der Stadtgemeinde Waischenfeld
Als Zenthauptort und als Sitz der Schlüsselberger war Waischenfeld der politische Mittelpunkt des Landes an der mittleren Wiesent. Hier stand auf dem Burgfelsen die Herrenburg, um die sich etwa sechs Nebenburgen der Dienstrittergeschlechter reihten (beim Steinernen Beutel die v. Rüssenbach, im jetzigen Pfarrhof die v. Wannbach usw). Als aufblühende Landstadt infolge der Privilegien Ludwigs des Bayern von 1315, 1316 und 1322 war Waischenfeld nicht mehr auf die Dauer im Bereich der Landpfarrei Nankendorf zu halten. Zunächst wird in W. allerdings nur eine Burgkapelle St. Johannis baptistae, wohl bereite mit einem herrschaftlichen Frühmesser, vorhanden gewesen sein. Nach einem aus dem Jahr 1558 stammenden Heiltumsverzeichnis der Kirche von Waischenfeld ist der besondere Wohltäter der Stadt Waischenfeld, der Freund und Gehilfe Ludwigs des Bayern, Konrad d. J. v. Schlüsselberg (gefallen am 14. September 1347 auf seiner Burg Neideck), zugleich der Stifter der späteren Pfarrkirche Waischenfeld gewesen; es heißt dort gelegentlich der Beschreibung einer Reliquie: Der obgenannt Herr Cunradt von Schlüsselberq, Stifter dieses Gotteshauses zu Waischenfeld, hat zu mehrer Befestigung sein eigen Insigel mit Seidenschnüren an dieses gülden Stück gehangen. In den späteren Guttäterverzeichnissen der Pfarrei wird der Edelherr Konrad v. Schlüsselberq freilich nicht als Stifter des Gotteshauses, sondern nur allgemein als besonderer Wohltäter der Stadt gerühmt. Die Stiftung eines Heiligtums für die Stadt fügt sich ohne weiteres in seine bürgerfreundlichen Bestrebungen (er ist auch der Gründer der Städte Ebermannstadt und Thüngfeld-Schlüsselfeld). Zudem befindet sich die Kirche und die Stätte des alten Frühmesserhauses, wie man jetzt noch deutlich sehen kann, im Bereich der großen Schlüsselberger Burganlage.
So wurde bereits vor der Mitte des 14. Jahrhunderts der Keim gelegt für eine eigene Stadtpfarrei Waischenfeld. Aber noch ein volles Jahrhundert wird die Kirche in Waischenfeld nicht erwähnt, also auch nicht als Pfarrkirche bezeichnet. Während die Waischenfelder Frühmeßpfründe bereits In den Jahren 1384 und 1402 urkundlich bezeugt ist, wird ein Pfarrer von Waischenfeld erst im Jahr 1415 ersichtlich. Aber bis heute ist auch nicht die Spur einer Urkunde zu finden gewesen, in der die Separation der Stadtpfarrei Waischenfeld aus dem alten Nankendorfer Sprengel ausgesprochen wäre. Die Lostrennunq ist deshalb auch vorerst nicht auf ein bestimmtes Jahr festzulegen.
Aber sie muß in aller Form vollzogen worden sein, da die Sprenge rechtlich bis vor ein paar Jahrzehnten noch unterschieden wurden: die alte Pfarrei Nankendorf und die inselartiq ringsum von ihr umschlossene Stadtpfarrei Waischenfeld. Nur die Gemarkung der Stadtgemeinde (einschließlich der oberen und unteren Hammermühle, der Schlüsselmühle, die jetzt Pulvermühle heißt, und der Mühle gegenüber dem Schlößlein Gutenbiegen, dagegen dieses Schlößlein selbst ausgenommen) bildete die neue Stadtpfarrei, die allerdings noch eine ganz kuriose Exklave hatte: das Anwesen des "Maienbauern" im nahen Dorf Zeubach, der für den Schmuck der Stadtpfarrkirche die Birken-Meien zu liefern verpflichtet war. Die in der städtischen Markung Ansässigen und die Bewohner des Maienbauernanwesens in Zeubach gehörten "de jure" zur Stadtpfarrgemeinde und Stadtschulgemeinde. In der Jugendzeit meiner Mutter gingen die Zeubacher Schulkinder in die Waischenfelder Landschule, und nur die Maienbauernkinder von Zeubach genossen den Vorzug, mit den Waischenfelder Kindern die Stadtschule zu besuchen, eine seltsame Konsequenz, der mittelalterlichen Pfarrsprengelteilung.
Der Urpfarrei Nankendorf verblieb dabei der um die Bezirke ihrer Tochter- und Enkel-Pfarreien Volsbach, Kirchahorn, Waischenfeld und Oberailsfeld verminderte Kirchensprengel, also immer noch ein Bereich von respektabler Größe. Noch im Jahr 1591 verzeichnet der Waischenfelder Pfarrer Georg Wolfaer in seinem Frühmeß-Zinsbuch die Dörfer und einzigen Häuser, so zu der Pfarrkirchen Nankendorf gehörig:
Nankendorf, Plankenfels, Plankenstein, Wohnsgehaig, Kaupersberg, Eichenmühle, Wadendorf (zur Hälfte. die andere wohl zu Hollfeld?), MeuSchlitz, Ringau, Schnackenwöhr, Löhlitz, Neusig, Schöchleins (also der Schöchleinshof), Kugelau, Ziegelhütten (wohl jene bei Kugelau), Zeubach, Hannberg, Langenloh, Zauppenberg, Brünnberg, Wünschendorf (ein Haus, nit mehr), Schönhof, Eichenbirkig, Rabeneck, Saugendorf, Gösseldorf, Schönhaid, Heroldsberg, Hubenberg, Gößmannsberg, Siegritzberg, Gutenbiegen, Welesberg der Hammer (bei Plankenfels?), Engelsberg (?), Schressendorf (die beiden letztgenannten Namen sind ausgestrichen), also 33 Orte, nur nicht die Stadt Waischenfeld selbst, aber ihr ganzes Umland,
Das Verhältnis der Pfarreien Nankendorf und Waischenfeld
Um die Entwicklung bis auf die Gegenwart einigermaßen zu verstehen, muß man allerdings diesem Bild der rechtlichen Zugehörigkeit nämlich: Stadtpfarrei Waischenfeld als Insel in der Landpfarrei Nankendorf, das Bild der tatsächlichen Praxis gegenüberstellen. Seit in Waischenfeld eine Kirche bestand (also wohl seit der Mitte des 14.Jhs.), und seit diese kurz nach 1450 vergrößert worden war, haben die Bewohner des südlichen Teils des Nankendorfer Sprengels natürlich lieber in der Waischenfelder Kirche hospitiert und sich die noch erforderliche gute halbe Gehstunde nach Nankendorf erspart. Auch die Schulkinder des südlichen Nankendorfer Sprengels gingen später nicht mehr nach Nankendorf, sondern in die Landschule zu Waischenfeld. Man unterschied deshalb (und zwar noch in meiner Schulzeit, nach 1910) die untere Pfarrei (südlicher Teil des Nankendorfer Plarrsprengels, einschl. Stadtpfarrei Waischenfeld) mit dem kirchlichen Mittelpunkt Waischenfeld, und die obere Pfarrei (nördlicher Teil des Nankendorfer Pfarrsprengels) mit dem kirchlichen Mittelpunkt Nankendorf. Das war eine rein praktische Trennung für Schule, Christenlehre usw.
Mit besonderer Strenge wurde demgegenüber die rechtliche Zugehörigkeit hinsichtlich der Beerdigungen festgehalten, indem alle Leichen von außerhalb der Stadtgemeinde Waischenfeld auf dem Nankendorfer Friedhof bestattet werden mußten. Es gehört zu den lebhaften Erinnerungen meiner ersten Schuljahre in Waischenfeld, wie immer die Leichen z. B. aus Gösseldorf oder Saugendorf oder Hannberg usw. durch Waischenfeld nur "durchgeläutet" wurden, um zu dem zuständigen Friedhof Nankendorf zu gelangen.
Im ersten Viertel unseres Jahrhunderts war von einer Pfarrei Nankendorf ernsthaft nicht mehr die Rede, Für den ganzen Sprengel war Waischenfeld der namengebende Pfarrsitz. Im Filialdorf Nankendorf befand sich keine Wohnung für einen Geistlichen, geschweige denn ein Pfarrhof. An allen Donnerstagen hielt der WaischenfeIder Hofmanns-Benefiziat das Engelamt zu Nankendorf, sonst aber wurden alle Gottesdienste dort durch einen Waischenfelder Kaplan wahrgenommen, so daß bestimmt an allen Sonn- und Festtagen und regelmäßig auch an den Werktagen in Nankendorf Gottesdienst im gleichen Rahmen wie an einer ländlichen Pfarrkirche stattfand. Weil dem diese Obliegenheiten in relativer Selbständigkeit wahrnehmenden Waischenfelder Kaplan auch der Religionsunterricht in den katholischen Schulen der oberen Pfarrei (Nankendorf, Plankenfels, Wohnsgehaig) und die Beerdigungen aus der oberen und unteren Pfarrei (ausschließlich Waischenfeld) zustanden, wurde er im Scherz gelegentlich als Pfarrer von Nankendorf bezeichnet. Von außen betrachtet, schien die Mutterpfarrei Nankendorf in ihrer Tochterpfarrei Waischenfeld untergegangen, und das Filialverhältnis umgekehrt.
Wie kam nun diese Entwicklunq zustande? In Nankendorf erzählt man sich, die Zerstörung des dortigen Pfarrhofs durch die Hussiten habe den Pfarrer veranlaßt, seinen Sitz in das Städtchen Waischenfeld zu verlegen, und dadurch sei aus der Pfarrei Nankendorf die Pfarrei Waischenfeld geworden. Es wird sich zeigen, daß die Entwicklung anders verlief und viel komplizierter war. Denn es handelt sich ja gar nicht einfach um eine Verschiebung des Pfarrsitzes, sondern um eine Wieder-Ineinanderschachtelung von zwei durch Separation entstandenen Pfarreien, die auch dann noch zum mindesten wesentliche Stücke ihrer Selbständigkeit bis zu ihrer endgültigen Trennung in den Jahren 1927/38 bewahren konnten.
Letztmals wird ein Pfarrer von Nankendorf Im Jahr 1406 erwähnt. Im Jahr 1415 gründen die edlen Stiebar auf Rabeneck. also im alten Sprengel von Nankendorf, eine Burgkaplanei die bischöfliche Bestätigung enthält den Hinweis auf die eingeholte Zustimmung des Pfarrers von Waischenfeld, in dessen Bezirk die Rabenecker Burgkapelle gelegen sei. Mit der ersten Erwähnung eines Pfarrers von Waischenfeld findet sich also zugleich – und zwar seitens der berufensten Stellen – die Angabe, daß er über den Sprengel der engeren Stadtpfarrei hinaus für den Bereich der Landpfarrei Nankendorf zuständig war. Auf den Hussitensturm kann diese Lage sicher nicht zurückgeführt werden, da die wilden Hürden erst anderthalb Jahrzehnte später ins Bambergische einbrachen.
Zahlreiche Beispiele aus dem Fränkischen und anderwärts zeigen, daß das Aufblühen einer Stadt im Bereich einer alten Landpfarrei unweigerlich zur Verselbständigung der städtischen Filialkirche und schließlich zu einer Umkehrung des Filialverhältnisses führte. Der Fall Nankendorf-Waischenfeld ist geradezu ein Schulbeispiel für diese Entwicklung. Von einer bloßen Verlegung des namengebenden Pfarrsitzes in den Jahren zwischen 1406 und 1415 könnte man nur reden, wenn nicht bereits zuvor ein eigener Waischenfelder Stadtpfarrsprengel ausgeschieden gewesen wäre. Die Verbindung scheint zunächst eine Personal-Union, eine Verwaltungsgemeinschaft gewesen zu sein, Indem für Nankendorf durch das Domkapitel kein eigener Vikar mehr präsentiert und die Verwaltung der alten Pfarrei dem Waischenfelder Stadtpfarrer mitübertragen wurde. In den Listen der Pfarreien taucht nun bald der Name Nankendorf nicht mehr auf, wohl aber erhält er sich im Titel des Oberpfarrers, der sich meist Oberpfarrer zu Nankendorf und Waischenfeld nennt. Damit ist der weitere Umstand bezeichnet. der die Entwicklung begünstigte. Der eigentliche Pfarrer (parochus verus) von Nankendorf saß ja seit 1301 überhaupt nicht mehr in Nankendorf, sondern im Domkapitel zu Bamberg. Niemals hat einer der archivalisch bezeugten Oberpfarrer tatsächlich in seiner Titularpfarrei residiert, sondern er war dort nur durch einen (möglichst billigen) Vikar vertreten. Was lag in unserm Fall näher, als den Pfarrer der zentral im Sprengel gelegenen Stadt Waischenfeld die dauernde Pfarrverwesung für Nankendorf zu übertragen. So wurden also die beiden Pfarreien unter einem einzigen Pfarrer ineinander geschoben, zunächst In Personal- Union, die dann zu einer Real- Union tendierte, aber sie nie vollkommen erreichte.
Dadurch ist auch die historisch zutreffende Ausscheidunq der materiellen Ausstattung der beiden Gotteshäuser und der Pfründen sehr erschwert. Es ist bis jetzt noch nicht einmal gelungen, den ursprünglichen Fundus der Nankendorfer Kirche genau festzustellen, da die nachmittelalterlichen Aufschreibungen die Güter und Erträgnisse der Kirchen, der beiden Pfarrpfründen, der Waischenfelder Kaplaneien, der Frühmesse, der Enqelmesse und der Spitalmesse nicht immer mit hinreichender Klarheit unterscheiden.
Diese Unklarheit hat denn auch zu manchen Meinungsverschiedenheiten über die Zugehörigkeit des Waldbesitzes, wie auch Zugehörigkeit des Waldbesitzes und über des Fischwassers geführt. Nur eine gründliche Heranziehung aller einschlägigen Archivalien des Staatsarchivs und des Ordinariatsarchivs in Bamberg und der Pfarrarchive in Waischenfeld und Nankendorf könnte hier vielleicht klare Erkenntnisse ergeben. Gegenwärtig steht nur fest, daß z. B. das Fischwasser aus drei Teilen sehr verschiedener Bestimmung bestand: Flußaufwärts grenzte an das Gutenbiegener Fischwasser (das nicht zur Mühle, sondern zu dem Schlößlein der v. Wannbach, dann v. Eyb gehörte) das Fischwasser des Waischenfelder Frühmessers, an dieses das Pfarrwasser, an dieses das im Jahr 1509 von Paulus v. Wichsenstein gestiftete Fischwasser der Waischenfelder Engelmesse.
Eine enge und schöne Verbindung zwischen Waischenfeld und Nankendorf bestand früher durch die vielen Prozessionen der Waischenfelder nach Nankendorf, die an den Nachmittagen von Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Fronleichnam regelmäßig stattfanden; besonders die letztgenannte Fronleichnams-Nachmittagsprozession über den Nankendorfer Auberg verdiente ob ihrer kultgeschichtlichen und volkskundlichen Bedeutsamkeit eine Darstellung, die wir ihr vielleicht zum Fronleichnamstag angedeihen lassen werden.
Die Teilung der Großpfarrei Waischenfeld-Nankendorf
Die Forderungen der seelsorgerischen Praxis und das von historischen Erinnerungen genährte Selbstgefühl der Nankendorfer führten zwischen den beiden Weltkriegen zu einer Aufteilung der vor allem angesichts der schwierigen Verkehrsverhältnisse übergroßen Pfarrei. Dabei konnten nun über gerichtliche Rechtstitel nicht mehr maßgebend sein.
Am 1. Mai des Jahres 1927 wurde die Filiale Nankendorf zur Kuratie erklärt und der bisherige Waischenfelder Hofmanns-Benefiziat Hofmann zum ersten Kuratus ernannt. Die Kuratie Nankendorf wurde ab 1. Oktober 1938 zur selbständigen Pfarrei erhoben, und ihr damaliger Kuratus Walter wurde ihr erster Pfarrer. Nun umfaßt der neue Nankendorfer Pfarrsprengel die Orte Nankendorf, Aalkorb, Kaupersberg, Löhlitz mit Schafhof, Neuenhaid und Bug, Neusig und Wohnsgehaig, außerdem noch die Nankendorfer Filialkirchengemeinde Plankenfels mit den Ortschaften Plankenstein, Neuwirtshaus und Altneuwirtshaus, Maischlitz, Neuwelt, Plankenstein, Ringau, Wadendorf und Scherleithen; als Pfarrsprengelgrenzen gelten die Grenzen der entsprechenden politischen Gemeinden.
Diese Neuregelung fußt demnach auf der bereits seit längerer Zeit aus praktischen Gründen – nicht nach der rechtlichen Zugehörigkeit – eingeführten Trennung in eine obere und untere Pfarrei. Somit wurden 1927/1938 hinsichtlich der kirchenrechtlichen Zugehörigkeit klare Verhältnisse geschaffen. Nimmt man mit uns an, daß bis dahin – sozusagen unter der Decke – die historischen Sprengel (die Landpfarrei Nankendorf und, von ihr allseitig umschlossen, die Stadtpfarrei Waischenfeld) weiterbestanden haben, dann ist seitdem die neue Pfarrei Nankendorf die Rechtsnachfolgerin für den nördlichen Teil der alten Pfarrei gleichen Namens, die Pfarrei Waischenfeld aber die Rechtsnachfolgerin für die alte Stadtpfarrei Waischenfeld und für den südlichen Teil der alten Landpfarrei Nankendorf geworden. Es beleuchtet die Kompliziertheit der Verhältnisse und die seltsamen Wege der historischen Entwicklung, wenn man sich folgendes vor Augen hält: Der Trennungsschnitt von 1927/1938 erscheint bei oberflächlicher Betrachtung als Loslösung der Pfarrei Nankendorf aus der Pfarrei Waischenfeld; in Wirklichkeit aber brachte die Neuregelung was zunächst grotesk anmuten könnte die Loslösung des südlichen Teils der alten Pfarrei Nankendorf und seine Zuweisung an die Pfarrei Waischenfeld. Auf die dadurch hervorgerufenen kirchen- und pfründevermögensrechtlichen Auseinandersetzungen einzugehen, besteht für uns hier kein Anlaß.
Die alte und die neue Kirche von Nankendorf
Sie steht im Bereich einer Friedhofburg, die in ihrer jetzigen Gestalt wohl keine älteren Bauteile als solche aus dem 15. Jahrhundert enthält. Über den älteren Zustand sind wir unterrichtet durch ein Bild, das auf einer Flurkarte aus dem frühen 18. Jahrhundert im Staatsarchiv Bamberg überliefert ist. Demnach stand die alte Kirche quer zur jetzigen, mit dem Chor vorschriftsmäßig nach Osten gerichtet; der Eingang von der Seite dürfte etwa dem jetzigen Portal entsprochen haben. Rechts steht an der Stätte des jetzigen Pfarrhofs noch jene alte Kapelle, die noch in meiner Kinderzeit als Schuppen verwendet wurde. Links (am äußeren Bildrand) steht nicht ,etwa bereits das heutige Schulhaus, sondern an seiner Stätte die ehemalige Totenkapelle (früher St. Bartholomäus oder St. Jakobus?). Sie war nach Schilderung der Akten des frühen 19. Jahrhunderts 16 Schuh hoch, bestand im Untergeschoß aus massivem Mauerwerk und im Obergeschoß aus Riegelfachwerk mit Falzziegeldach.
Die nicht mehr gottesdienstlich verwendete Kapelle diente im Untergeschoß bloß zur Aufbewahrung der Totengebeine, im Obergschoß als Schüttboden für das Zehentgetreide des Pfarrers. Pfarrer Dütsch von Waischenfeld wehrte sich deshalb sehr, als man daran ging, das Gebäude als Schulhaus umzubauen. Aber er drang nicht durch: Das Kapellenhaus wurde um 1817 bis auf die massiven Grundmauern abgebrochen und in der heutigen Form neu errichtet. Am 30. September 1818 wurde der Regierung gemeldet, das neue Schulhaus sei nun "gänzlich hergestellt".
Diese Maßnahme war notwendig geworden, da das bisherige Schulhaus vollkommen ruinös und vom Einsturz bedroht war. Es handelt sich um das alte Torgebäude der Kirchenburg, einen sogenannten "Kirchgaden", der aus dem 15. Jahrhundert stammen dürfte. Von ihm ist jetzt nur noch der aus der Mauer vorspringende HaIbrund-Turm erhalten. Eine genauere Vorstellunq gibt der in Umzeichnung wiedergegebene Plan des Maurermeisters Schwesner aus dem Jahr 1816, ein Verbesserungs- und Erweiterungsvorschlag, der kostenhalber zugunsten des Totenkapellen- Umbaus aufgegeben wurde. Die Schul- und Wohnverhältnisse in diesem Bau müssen kläglich gewesen sein; auch fehlte darin für den Waischenfelder Kaplan ein Raum, der nun im Obergeschoß des Turms geplant war. Hinsichtlich der Einzelheiten sei auf die Abbildung und die zugehörige Erläuterung verwiesen, auf der das alte, dicke Mauerwerk gut erkennbar und von dem neugeplanten , aber nicht ausgeführten Erweiterungsteil unterschieden ist. Nach Fertigstellung des jetzigen Schulhauses wurde dieser Kirchgaden abgebrochen, um sinnlose Unterhaltungskosten zu ersparen. mehr Platz für den Kirchhof zu gewinnen und den Blick auf die Kirchfassade freizumachen.
Über die hochbedeutsamen Kunstschätze der Kirche, besonders über die Reste des alten Hochaltars mit seinen wertvollen Plastiken und gemalten Flügeln, ist bei Prof. Heinrich Mayer, Kunst des Bamberger Umlandes, nachzulesen.
Quelle: waischenfeld.de
